Geschichte von Anfang an.....

Im Herbst 1993 wurde am Gymnasium Marktbreit ein Traum der Sportlehrerin Barbara Clobes in die Realität umgesetzt: Sie gründete eine Schulzirkusgruppe. Mit 18 Schülerinnen und Schülern begann die Erfolgsstory. Zunächst musste ein Grundstock an Jongliergeräten angeschafft werden. Wir bastelten unsere Bälle, Rola-Bolas und Stelzen selbst, für die fehlende Grundausrüstung konnten wir den Förderverein unserer Schule zu einer vorsichtigen Spende überreden. Leider wurde gleich im ersten Jahr unsere Turnhalle umgebaut, so dass eigentlich gar keine Vorstellung am Ende des Jahres möglich gewesen wäre. Doch unter Mithilfe vieler Lehrer wurde bei 30° im Schatten ein großes Bierzelt zu einem Zirkuszelt umfunktioniert und die ersten beiden Aufführungen konnten stattfinden. Schon damals boten wir fast das gesamte Spektrum der Zirkus-Künste: Boden-, Partner-, Gruppen und Geräteakrobatik, Einrad, Jonglage mit Bällen, Keulen, Ringen und Feuer, Diabolo und Clownerie. "Kostüme" waren gleichfarbige T-Shirts. Es war ein riesiger Erfolg!


Von nun an ging es rapide bergauf. Der Elternbeirat musste nicht mehr überzeugt werden, wir bekamen eine Ausrüstung für Schwarzes Theater und nahmen diesen Bereich und das Schattenspiel in unser Repertoire auf. Die Gruppe wuchs ständig und Trapez, Laufkugeln, Tanznummern, Zauberei und Musik kamen dazu. Es fehlte noch ein Stahlseil für den Seiltanz. Beim Bau einer neuen Turnhalle wurde zusammen mit einer Sportartikelfirma ein Prototyp entworfen, der die ganze Hallenbreite einnahm. Vorher hatten wir uns bereits ein nicht ganz so stabiles System zwischen den Recksäulen ausgedacht.


Im dritten Jahr gaben wir uns den Namen "Schulzirkus Gymnelli" und im vierten Jahr war die Gruppe bereits auf 40 Leute angewachsen. Ab jetzt konnten wir uns komplett selbst finanzieren, denn am Ende eines jeden Schuljahres war der Höhepunkt die "Große Vorstellung", deren Eintrittsgelder das Budget für das nächste Jahr stellten und das auch heute noch tun. Sogar eine Hallenverdunkelung konnte von diesen Geldern bezahlt werden. Diese Vorstellungen standen und stehen immer unter einem bestimmten Thema oder einer Geschichte, bei der auch das große schauspielerische Talent unserer Zirkuskinder zum Tragen kommt. Inzwischen bewegen wir uns auch hemmungslos hoch unter der Hallendecke am Trapez, Vertikaltuch und Seil und am Aerial-Ring.


Dass Kostüme dazu gehören, war uns klar. Zunächst von unserer Leiterin alleine, später mit tatkräftiger Unterstützung der Eltern wurden sie genäht und gebastelt und verliehen unseren Vorstellungen immer mehr Professionalität. Überhaupt sind unsere Zirkus-Eltern ein fester und treuer Bestandteil des "Schulzirkus Gymnelli". Sie übernehmen die Bewirtung bei den "Großen Vorstellungen", sie stehen bereit, wenn es heißt, uns zu den verschiedensten Aufführungen außerhalb der Schule zu bringen. Dazu gehören Auftritte in Altersheimen, Sonderschulen, bei Stadtfesten oder Weinfesten, Informationsveranstaltungen oder Ausstellungseröffnungen. Bis zu 10 zusätzliche Veranstaltungen im Jahr stehen auf unserem Terminkalender. Sogar der Bayrische Rundfunk wurde auf uns aufmerksam und kam an unsere Schule, um ein 10-minütiges Gruppenportrait zu drehen. Einen zweiten Fernsehauftritt hatten wir bei der Sendung "Bayern-Tour".


Doch trägt sich die Gruppe nicht nur finanziell selbst. Als besondere Aufgabe sieht unsere Gruppe es auch in diesem Schuljahr, sich sozial zu engagieren z.B. durch Trainingstage zusammen mit Asylbewerberfamilien, durch Projekte zusammen mit dem Körperbehindertenzentrum in Würzburg, oder die Spende ihrer Vorstellungseinnahmen für unsere Partnerschule in Nepal, deren Schüler und Lehrer durch das schwere Erdbeben in diesem Jahr sehr gelitten haben.


Der Kreativität der Teilnehmer sind keine Grenzen gesetzt. Ziel der Gruppe sind nicht unbedingt Höchstleistungen Einzelner (obwohl wir auch das zu bieten haben!), sondern ein möglichst breites Spektrum vieler, Spaß und Zusammenhalt der Gruppe, sowie die Bereitschaft, sein eigenes erreichtes Können an andere weiterzugeben.


Nicht nur bei unserem Zirkus-Camp am Ende eines jeden Schuljahres, bei dem die Älteren die Jüngeren total selbst versorgen, wird der außerordentliche Gruppengeist deutlich, im Juni 2003 konnte sogar ein Teil der Gruppe in einem deutsch-tschechischen Zirkus-Camp die Partnerschaft des Gymnasiums Marktbreit und des Gymnasiums Zabreh initiieren.



In diesem Schuljahr bestehen wir 23 Jahre! Obwohl es für die Schülerinnen und Schüler des G8 immer schwerer wird, zusätzlich zum vermehrten Pflicht-Nachmittagsunterricht einen weiteren Nachmittag frei zu boxen, trainieren in diesem Schuljahr 115 Mädchen und Jungen aus den Klassen 5-12 (darunter 25 Anfänger !!!) beim "Schulzirkus Gymnelli" - und äußerst engagiert. Einige sind seit acht Jahren aktiv dabei und bringen ihre Fähigkeiten mit extrem hohem körperlichen, zeitlichen und persönlichem Einsatz in die Gruppe ein, auch dadurch, dass sie den Zirkus als "Profilfach" gewählt haben. An unserer Schule ist die Bezeichnung "Zirkus-Kind" inzwischen ein Prädikat!



Wir sind weiterhin auf der Suche nach einer weiteren Lehrkraft, welche die Leidenschaft unserer Leiterin teilt und die Gruppe später weiterführen könnte. Aber Gott sei Dank sind eine ganze Reihe ehemaliger Zirkuskinder bereit, bei unseren Zirkus-Samstagen die Leitung einer Trainingsgruppe zu übernehmen und auf diese Weise über lange Jahre ihre Verbundenheit mit dem "Schulzirkus Gymnelli" zu beweisen.