Drei Monate Austausch und viel mehr …

Am 31.08.2005 war es endlich soweit. Mein Abenteuer Frankreich konnte endlich beginnen. Vorfreude, gespanntes Erwarten aber auch eine gewisse Unsicherheit spielten mit – ich wusste ja nicht wirklich was mich dort erwarten würde.

Meine Familie wollte einen Kurztrip nach Paris mit einem Abstecher nach Coutances verbinden und so hatten wir noch einen gemeinsamen Abend in meiner Gastfamilie. Gelegenheit auch für die Eltern sich endlich einmal kennen zu lernen.

Richtig ernst wird es dann schon am nächsten Morgen. Der Wecker klingelt um 06:25!! Es geht wieder los. La rentrée – der Schulanfang in Frankreich, den man auf jeden Fall nicht mit dem deutschen vergleichen kann. Chaotisch, irgendwie total hektisch und auf jeden Fall ein besonderes Ereignis. Der Unterricht fängt erst gegen 11 Uhr an, man trifft sich trotzdem schon um halb acht an der Schule. Man freut sich ja, endlich wieder in die Schule zu gehen und alle wieder zu sehen. Nebenbei versucht jeder Schüler, seine Bücher vom Vorjahr „an den Mann zu bringen“, sodass es auf dem Schulhof wie in einer Markthalle zugeht; das totale Chaos. Nachdem ich meinen ersten Schultag geschafft hatte, war erst einmal Wochenende angesagt.

Überraschenderweise und allen anfänglichen Problemen zum Trotz konnte ich dem Unterricht bereits relativ schnell gut folgen, sodass die langen Schultage nicht langweilig waren. Es war vielleicht ein bisschen gewöhnungsbedürftig und sicherlich auch erst einmal sehr anstrengend, dass man morgens um 7 Uhr aus dem Haus musste, um den Bus zu bekommen und am Abend erst um die gleiche Uhrzeit wieder nach Hause kam. In den ersten Wochen war ich auf jeden Fall sehr, sehr müde. Man ist den ganzen Tag in der Schule, in Klassen- oder auch Aufenthaltsräumen und der Kantine, in der man übrigens ziemlich gut isst – immer drei „Gänge“ – hat aber nie wirklich die Möglichkeit, sich für ein paar Minuten ganz zurückzuziehen. Andererseits ist man den ganzen Tag in Gesellschaft und das ist gerade am Anfang hilfreich, da man viel Gelegenheit hat, Bekanntschaften zu schließen. Natürlich waren wir „Deutschen“ nicht ganz auf uns alleine gestellt. Schließlich hatten wir unsere correspondants und dann gab es da auch noch Monsieur Faby. Monsieur Faby ist einer der beiden Deutschlehrer am Lycée Lebrun und organisiert jedes Jahr den Austausch mit den Partnerschulen. Er war für uns immer eine Anlaufstelle, wenn es Probleme gab, sei es in der Familie oder auch in der Schule, wobei ich glücklicherweise nie von seinem Angebot Gebrauch machen musste.

Schon nach wenigen Wochen hatte meine Klasse ihre erste Schulaufgabe in Französisch, die ich wie auch in den anderen Fächern mitschreiben musste. Was im Nachhinein aber ebenfalls nur hilfreich war, um die Sprache zu verbessern. Da ich den literarischen Zweig besucht habe, sind mir vor allem Mathe, Physik und Englisch nicht sehr schwer gefallen. Das Unterrichtsniveau in diesen Fächern ist eindeutig niedriger als in Deutschland. Lediglich die französische Poesie wurde zeitweise für mich zur kleinen Tortur… Ein zeitweise sehr interessantes Fach wurde Histoire/Géo, in welchem ich die französische Sicht und auch Meinung zu aktuellen, politischen Themen, vor allem zur Bundestagswahl in Deutschland und den Unruhen in den Pariser Vororten, mitbekam.

Neben dem langen und ausgefüllten Schulalltag unter der Woche, bei dem äußerst wenig Freizeit übrig blieb, gab es natürlich auch noch das Wochenende. Meine Wochenenden begannen mit langem Ausschlafen und ausgedehntem Frühstück mit meiner Gastfamilie. J’adore le p’tit déjeuner franšais!! Natürlich boten diese beiden freien Wochentage auch reichlich Gelegenheit für diverse Unternehmungen mit Freunden oder der Familie. So verbrachte ich zum Beispiel mit Jules, meinem Corres, und ein paar Freunden ein ganzes Wochenende in Rennes und einen Tag auf Chausey, einre kleine Insel vor der Küste der Normandie. Gemeinsam mit meiner Familie, Philippe, meinem Gastvater, Véronique, meiner fürsorglichen und sich immer Sorgen machenden Gastmutter, sowie Jules und seinem kleinen Bruder Luis verbrachten wir mehrere Abende in einem schnieken, kleinen Kino in Hauteville oder im Theater in Coutances. Ansonsten natürlich ganz, ganz viele Abende im „Triskell“, einer kleinen Kneipe in Coutances, mit Jules und Freunden, oder auch den anderen Deutschen, um die Muttersprache nicht ganz zu verlernen.

Der Höhepunkt meiner Ausflüge war auf jeden Fall Paris. Zuerst an meinem dritten Wochenende in Frankreich mit Freunden und dann in den zweiwöchigen Herbstferien noch einmal mit Véronique und Jules für drei Tage in die französische Hauptstadt. Eine wahnsinnige Stadt mit ihren ganzen Museen, Theatern… und Menschen aus aller Welt!!!

Was die Wahl meiner Gastfamilie angeht, hätte mir, glaube ich, nichts Besseres passieren können. Jules kannte ich schon von seinem Aufenthalt bei mir zu Hause, aber auch mit dem Rest der Familie habe ich mich sofort total gut verstanden. Vor allem mit meiner Gastmutter Véro hatte ich immer jemanden in der Familie, wenn es kleinere Probleme gab, und wir saßen nicht selten abends um halb zwölf Uhr noch in der Küche und unterhielten uns über Deutschland, Frankreich, Beziehungen, Unterschiede und mein Leben hier. Auch wenn die Mutter durch ihren Beruf als Textildesignerin oft nicht zu Hause war, gab es immer noch Philippe, meinen Gastvater, der den Haushalt schmiss, und sich um den kleinen mexikanischen Adoptivsohn Luis kümmerte. Auch weil ich von ihm bald als „Zweitbruder“ akzeptiert und sehr schnell in das tägliche Familienleben eingebunden wurde, waren die Sagots immer ein Rückzugsort, an dem ich mich sehr wohl gefühlt habe. Die französische Küche habe ich sehr genossen, viel Fisch, viel Gemüse aus dem Garten ;-)), wahnsinnig leckere, selbstgekochte Marmelade und ein bis zwei Mal die Woche Pferd!!

Die letzten Wochen waren sehr zwiespältig. Zum einen habe ich mich schon wieder auf meine Familie und meine Freunde in Deutschland gefreut, andererseits wusste ich, dass der Abschied sehr schwer fallen würde. Zum Schluss gab┤s eine Abschiedsfete und am letzten Tag noch einmal Kino und „Triskell“ mit paar französischen Freunden/innen. Die Stimmung war schon sehr gedrückt, aber die Planungen für den nächsten Frankreichtrip laufen schon.

Der Abschied von meiner Gastfamilie ist mir am schwersten gefallen. Die Einladung zu kommen werde ich auf jeden Fall sobald wie möglich wahrnehmen.

Am 24.11. ging dann (leider) wieder der Zug in Richtung Deutschland….

Meine drei Monate in Frankreich haben mich bestimmt sprachlich weiter gebracht, aber auch persönlich, da ich mein gesamtes Leben für drei Monate wesentlich unabhängiger und selbstständiger organisieren musste. Nicht zu vergessen die vielen neuen Kontakte und Freunde.

Felix Kirchberg

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