Drei Monate am Lycée Lebrun in Coutances

Am 10. Januar 2005, dem ersten Schultag nach den Weihnachtsferien in Deutschland, ging es am Morgen endlich los: mein dreimonatiger Aufenthalt in Frankreich konnte beginnen. Gemeinsam mit Ralf Köhler, der auch drei Monate in Coutances verbringen wollte (jedoch auf einem anderen Lycée), fuhr ich schon früh los. Erst während der langen Fahrt wurde mir wirklich bewusst, auf was ich mich eingelassen hatte. Ich würde meine Familie und alle meine Freunde für eine ziemlich lange Zeit nicht mehr sehen!

Gleich bei der Ankunft an meiner neuen Schule wurde ich freundlich von den Sekretärinnen empfangen. Sie kümmerten sich um mich und sorgten dafür, dass ich am Anfang nicht alleine dastand. So holten mich nach Schulschluss zwei Mädchen aus meinem Internatszimmer ab und wir gingen bis zum Abendessen in eine Kneipe in Coutances. Nach dem Essen in der Kantine lernte ich dann meine dritte Zimmerkameradin kennen. Ich hatte wirklich Glück, denn ich verstand mich mit allen auf Anhieb sehr gut.

Am ersten Schultag im „neuen Leben“ hieß es dann bald aufstehen und ab in den Unterricht. In meiner Klasse fühlte ich mich von Anfang an sehr wohl und ich lernte schnell andere Mitschüler kennen. An das französische Schulsystem konnte ich mich jedoch nicht so schnell gewöhnen. Ich hatte oft von 8-18 Uhr Schule, dafür aber jeden Tag fast zwei Stunden Mittagspause. Darüber hinaus gab es oft Freistunden, die von den Schülern auch gerne für einen Stadtbesuch genutzt wurden. Diese Zeit verbrachte ich am Anfang häufig damit, Briefe zu schreiben; später war ich fast immer mit meinen neuen Freunden unterwegs.

Diese langen Schultage endeten mit dem Abendessen von ca. 18.30 - 19.15 Uhr. Der dann folgende „normale“ Internatsabend beinhaltete die so genannten „Etudes“ von 19.30 - 21.30 Uhr. In diesen zwei Stunden sollten die Schüler ihre Hausaufgaben erledigen.

An jedem Mittwoch schließt der Unterricht in Frankreich für alle Schüler spätestens um 12 Uhr. Der Nachmittag steht dann jedem zur freien Verfügung. Mittwochabends wurde den Internatsschülern die Möglichkeit geboten, gemeinsam einen Film anzuschauen. Viele Schüler gingen an diesem Nachmittag auch nach Hause, um beispielsweise Sport zu treiben.

Während der Woche, von Montag bis Freitag, schlief ich im Internat. Für das Wochenende musste ich dann eine Gastfamilie suchen, die mich von Freitagabend bis Montagmorgen aufnahm. Obwohl ich im Voraus etwas Bedenken hatte, stellte diese „Suche“ nie ein Problem dar. Die ersten zwei Wochenenden verbrachte ich bei meiner „Corres“, mit der ich noch Kontakt seit dem Schüleraustausch im vergangenen Jahr hatte. Bald lernte ich viele andere Schüler kennen, die mir anboten, ein Wochenende zu ihnen nach Hause zu kommen. So verlebte ich insgesamt meine Wochenenden in vielen verschiedenen Familien, wodurch ich die unterschiedlichsten Eindrücke gewinnen konnte. Es war sehr schön, da mich wirklich jede Familie völlig mit in ihr alltägliches Familienleben einbezog.

Die anfangs noch öfter vorhandenen Verständigungsprobleme traten nach kurzer Zeit immer seltener auf, da sich mein Wortschatz von Woche zu Woche vergrößerte.

Dem Unterricht konnte ich unterschiedlich gut folgen. In den sprachlichen Fächern, wie Englisch und Latein, konnte ich die Lehrer meist ohne Probleme verstehen und deshalb auch gut mitarbeiten. In manchen anderen Fächern fiel es mir dagegen manchmal schwer. Insgesamt gesehen war dies jedoch kein echtes Problem, weil die Lehrer darauf meist Rücksicht nahmen.

Im Februar hatten wir zwei Wochen Ferien. Da mich viele der neuen Freunde einluden, ein paar Tage bei ihnen zu verbringen, wechselte ich auch dann oft die Familien.

Mit dem Schulbeginn Ende Februar begann für mich die zweite Halbzeit meines Aufenthaltes. Die Zeit verging nun wie im Fluge; immer öfter musste ich an die näher rückende Heimkehr nach Ochsenfurt denken. Die letzten Tage vor meiner Abreise stellten eine Mischung aus Freude und Fröhlichkeit, aber auch Traurigkeit und Nachdenklichkeit dar, wobei auch Tränen flossen.

Am 29. März trat ich dann endgültig meine Rückreise an, so dass mir noch die restlichen Tage der deutschen Osterferien zum Wiedereingewöhnen blieben.

Ich persönlich erinnere mich noch sehr, sehr oft an meine Zeit in Frankreich und habe natürlich noch regelmäßig Kontakt zu meinen neu gewonnenen Freunden. Nur einige Wochen nach meiner Rückkehr besuchten mich bereits zwei von ihnen in Ochsenfurt.

Für mich steht also fest: Je vais revenir à Coutances!!!

Ich kann allen Schülern nur empfehlen, die Möglichkeit, eine längere Zeit im Ausland zu verbringen, wahrzunehmen. Es ist in vielerlei Hinsicht eine Bereicherung, nicht unbedingt im schulischen, sondern vor allem im persönlichen Bereich.

Anne Konigorski

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