Drei Monate am Lycée Lebrun in Coutances

Eigentlich hatte ich schon gar nicht mehr daran geglaubt, dass mein großer Wunsch, drei Monate in Frankreich zu verbringen, doch noch wahr werden würde. Umso überraschter war ich, als dann kurz vor Weihnachten die Zusage des Lycée Lebrun in Coutances kam, das mir anbot, mich von Januar bis Ostern im Internat aufzunehmen (nicht zuletzt durch die Unterstützung von Frau Rahner und M. Faby). Einzige Einschränkung war nur, dass ich mich selbst jedes Wochenende darum kümmern musste, bei einer Gastfamilie unterzukommen. Glücklicherweise lud mich aber gleichzeitig die dortige Deutschlehrerin, Mme Arnaud, ein, die ersten zwei Wochenenden bei ihr und ihrer Familie zu verbringen. So konnte ich die Zeit, bis ich Anschluss an die Jugendlichen aus Internat und Schule gefunden hatte, leicht überbrücken.

Am 12. Januar ging es dann endlich los. Vollbepackt stieg ich morgens um 7 Uhr in Nürnberg in den Flieger nach Paris, um von dort aus mit Taxi und Zug weiter nach Coutances zu fahren. Gegen 16 Uhr kam ich an und wurde sofort vom Direktor des Lycées, M. Remilly, und einem weiteren Deutschlehrer, M. Faby, begrüßt und sowohl durchs Schulhaus als auch durch das Internat geführt. Mein erster Eindruck war völlig in Ordnung, auch meine Klasse, die 1èreS3, der ich kurz vor Schulende um 17 Uhr vorgestellt wurde, wirkte sehr nett. Nach dem Abendessen in der Kantine, dem so genannten „self”, traf ich endlich auf meine beiden Zimmerkameradinnen. Auf Anhieb verstanden wir uns hervorragend, was sich auch während der 12 Wochen nicht ändern sollte.

Schon nach ca. zwei Tagen hatte ich mich gut eingelebt, jeder kümmerte sich um mich und ich hatte nie das Gefühl, alleine in einem fremden Land zu sein.

Entgegen meiner Befürchtungen kam ich im Unterricht sehr gut mit; die Lehrer bezogen mich sehr oft ins Unterrichtsgeschehen mit ein und somit gab es selten einen Tag, an dem ich mich in der Schule langweilte. Obwohl mir eigentlich vom „Sciences“-Zweig, in dem man verstärkt Fächer wie Mathematik, Physik und Biologie hat, abgeraten wurde, habe ich diese Wahl nie bereut, da ich viele Themengebiete aus dem Unterricht in Deutschland kannte und somit leichter verstand.

Natürlich kam auch die Freizeit nach den langen Unterrichtsstunden selten zu kurz. Da waren z.B. die regelmäßigen Kinonachmittage mittwochs nach der Schule, vier abendliche Theaterbesuche mit der Schule bzw. dem Internat, Shoppingtouren und Cafébesuche in Coutances oder einfach nur die langen Internatsabende, an denen bis in die Nacht hinein gequatscht wurde.

Die Suche von Gastfamilien fürs Wochenende wurde selten zu einem Problem, meist hatte ich schon Wochen vorher Angebote, mit Klassenkameraden oder Internatsbewohnerinnen das Wochenende zu verbringen und somit schaffte ich es auch, fast jedes Wochenende in einer anderen Familie zu sein, was natürlich sehr abwechslungsreich war, da jeder ein volles Programm mit mir eingeplant hatte. Unzählige Strandbesuche, Stadtbummel, Familienfeiern, Museumsbesuche, aber auch ganz neue Erfahrungen für mich, wie das Leben auf Bauernhöfen und in uralten, großen, aber wunderschönen Landhäusern aus Stein machten jedes einzelne Wochenende unvergesslich. War ich anfangs noch neidisch, dass fast alle Jugendlichen meines Alter bereits ihren Führerschein hatten, da sie die Möglichkeit der „conduite accompagnée“ (Autofahren ab 16 Jahren in Begleitung eines Erwachsenen) nutzten, kann ich jetzt immerhin stolz darauf sein, als Stadtmädchen einmal alleine einen Traktor + Gülleanhänger gelenkt zu haben und durchs ganze Dorf gefahren zu sein.

Außerdem gab es unzählige, einmalige Highlights, die ich nie vergessen werde. Dazu zählt auf jeden Fall das Afghanistan-Projekt meiner Klasse, an dem wir wochenlang arbeiteten und schließlich selbstständig eine große Ausstellung auf die Beine stellten. Dazu gehörte auch, dass ich mit vier Mitschülern den ganzen Vormittag im „self” helfen durfte, um für über 800 Schüler, Schülerinnen und Lehrer typisch afghanisches Essen zu kochen, welches eindeutig das Beste war, was es je dort gegeben hat :-).

Ein weiterer Höhepunkt war, als in Coutances ein Wettbewerb zwischen vier Regionalbands stattfand und diese Gruppen mit Reggae, Ska und Rock ihre Supporter LINK UP, die Gewinner der französischen Staffel „Popstars“, eindeutig in den Schatten stellten und dafür uns einen tollen Abend lieferten.

Nicht vergessen werden darf der Tagesausflug mit meinem Kunstkurs, bei dem wir nach langer Busfahrt das Museum für Moderne Kunst im Centre Georges Pompidou in Paris besuchen konnten. Der herrliche Blick über die Stadt aus dem obersten Stockwerk des Gebäudes belohnte uns für die lange Anreise.

Die Woche vor Beginn der Osterferien wurde zu einer der schönsten, aber auch zu einer der für mich persönlich traurigsten. Ab Montag wurde nochmals jede Möglichkeit genutzt, die Zeit mit meinen neu gewonnenen Freunden zu genießen, denn auch wenn meine Rückfahrt erst für Mitte der Ferien geplant war, hieß es bereits am Freitag Abschied von denen zu nehmen, die entweder in den Urlaub fuhren, weiter weg wohnten oder, wie auch meine zwei Freundinnen aus meinem Zimmer, mit der Schule für drei Wochen nach China flogen. Da wurde ich zum ersten Mal in den drei Monaten nicht mit einem Lachen im Gesicht gesehen, denn mit ausnahmslos jedem hatte sich eine sehr gute Freundschaft entwickelt.

Die große Überraschung kam dann am letzten Schultag, als meine Klasse für mich eine Abschiedsfeier organisiert hatte. Sogar alle meine Lehrer kamen, um sich persönlich von mir zu verabschieden und ich wurde mit Erinnerungsgeschenken überhäuft.

Die letzten paar Tage verbrachte ich mit einer Freundin aus dem Internat und der Gruppe unseres Gymnasiums, die zum 10-tägigen Austausch mit dem Lycée und dem Collège Jacques Prévert nach Coutances gekommen war. Ein Konzert der Gruppe „Orange Street“ in Montmartin und eine lange Nacht in der größten Diskothek der Normandie, dem „l`écho du lac” bildeten einen gelungenen Abschluss meines Aufenthalts.

Jetzt vergeht kein Tag, an dem ich mich nicht nach meinen Freunden und dem Leben in Coutances zurücksehne, aber mein Versprechen wiederzukommen wird eingehalten!

Katharina Meindl

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