Bewegende Lebensgeschichten gesammelt

Abend der Begegnung im Rathaus Obernbreit am 13.11.15

Die Feier im Rathaussaal Oberbreit war der festliche Abschluss eines über 15 Monate laufenden Projekts: 5 Schülerinnen und 6 Schüler des P-Seminars „Was mein Leben prägt und trägt“ hatten sich von Menschen mit viel Lebenserfahrung aus ihrem Leben erzählen lassen – jeweils im persönlichen Gespräch. Diese Lebensgeschichten wurden sorgfältig niedergeschrieben und nun als Buch veröffentlich. „Als unser Seminarleiter am Anfang des Seminars sagte, wir würden ein Buch mit den Lebensgeschichten herausgeben, konnten wir uns kaum vorstellen, wie wir das zu Stande bringen würden“, sagte Rebecca Zaumsegel in ihren einführenden Worten. „Aber nach und nach ist es gewachsen.“

Nun kamen alle zusammen: Die Gesprächspartner mit Angehörigen, die Schüler mit ihren Familien, Schulleiter Friedhelm Klöhr und weitere Mitglieder der Schule, Vertreter des öffentlichen Lebens, Sponsoren des Projekts und interessierte Mitbürger. Der Rathaussaal war mit 65 Personen gut gefüllt. Es war ein Abend der Begegnung und des Dankes, zuerst an die Gesprächspartner: „Ohne Sie und Ihre Bereitschaft, uns aus Ihrem Leben zu erzählen, wäre unser Projekt nicht möglich gewesen“, bedankte sich Valerie Demuth. Weiter wurde den Firmen und Institutionen gedankt, die die Herausgabe des Buchs gesponsert hatten. Bürgermeister Brückner hatte das Projekt in doppelter Funktion unterstützt: indem er das Rathaus für den Abend zur Verfügung stellte und den Druck des Buches betreute.

Oberstudiendirektor Klöhr hob in seinem Grußwort hervor, welch ein Schatz an Erfahrungen in dem liegt, was ältere Verwandte zu erzählen wissen, und ermutigte die jüngere Generation, sie aufmerksam aufzunehmen. Der Seminarleiter, Pfarrer Matthias Wagner, sprach den Schülerinnen und Schülern seine große Anerkennung aus für die Bereitschaft, sich auf das Projekt einzulassen, und für den außerordentlichen Einsatz einzelner in der Schlussphase. „Dieses Projekt war ein Wagnis: Würden wir Menschen finden, die bereit wären, einem Jugendlichen aus ihrem Leben zu erzählen? Würden die Begegnungen gelingen?“, so Wagner. Die intensiven Gespräche, die zwischen den Generationen zustande kamen, haben dies in bester Weise erfüllt. Mitautoren eines schön gestalteten Buchs zu sein, darauf könne jeder Schüler mit Recht stolz sein.

Ein Trio von Schülerinnen umrahmte diesen ersten Teil musikalisch. Bei Sekt und Häppchen war dann Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen. Im zweiten Teil gab Andrè Schwarz einen Überblick über den Verlauf des Seminars, und dann kam der Höhepunkt: Moderiert von Philipp Schmidt wurde das Buch vorgestellt und Ausschnitte aus den Lebensgeschichten vorgetragen, die neugierig machten, weiterzulesen.

Die Kriegszeit, Erfahrungen von Not und Flucht spielten natürlich eine große Rolle. „Ich wundere mich bis heute, wie wir dazu die Kraft hatten“, sagt eine Frau rückblickend auf diese Zeit. Aber es gibt auch viel Herzerwärmendes zu lesen – und manches zum Schmunzeln. Sogar eine richtige Detektivgeschichte ist dabei: „Ich habe mich an den Scheibenwischern festgehalten, als sie mit mir auf der Kühlerhaube losgefahren sind“, erzählte Frau Woods von ihrem Einsatz als Detektivin in den USA. Teils über 70 Jahre zurückliegende Erlebnisse werden lebendig und geben Einblicke in die damalige Zeit.

Das Buch umfasst 106 Seiten und ist an folgenden Stellen zum Preis von 5 € zu erwerben: Marktbreit: Schreibwaren Högner; AWO Haus der Senioren; Ochsenfurt: Buchhandlung am Turm. Wegen der guten Nachfrage ist eine zweite Auflage unterwegs.

Matthias Wagner
Bild: Ralf Löther