Deutsch-tschechische Gesichte hautnah

Austausch des Gymnasiums Marktbreit mit seiner tschechischen Partnerschule

Schon zwölf Jahre lang hat sich die Partnerschaft zwischen dem Gymnasium Zábřeh und dem Gymnasium Marktbreit aufs Beste bewährt, und zahlreiche Projekte wurden zwischen den Schülern beider Schulen gemeinsam durchgeführt.

Es ging meist in irgendeiner Form um das Kennenlernen von Kultur und Sprache des jeweiligen Nachbarlandes, um die deutsche und die tschechische Küche, um den Alltag in beiden Ländern. Im aktuell laufenden Austauschprojekt haben sich beide Schulen jedoch die sensible Aufgabe gestellt, die Geschichte beider Völker in den Mittelpunkt der Maßnahme zu rücken. Und so machten sich in diesem Herbst die deutschen Teilnehmerinnen und Teilnehmer zusammen mit ihren Lehrern Katja Schulte-Bockholt und Dr. Josef Straka auf die Reise zu ihrer tschechischen Partnerschule in Zábřeh, die im ehemaligen Sudetenland liegt.

Dort angekommen wurden alle aufs Herzlichste von ihren tschechischen Gastfamilien in Empfang genommen. Herzlich begrüßt wurden sie auch von Martin Paclík, dem Schulleiter des Partnergymnasiums, und von František John, dem Bürgermeister von Zábřeh, der seine Willkommensworte zur Freude aller in fließendem Deutsch sprach.

Und für die nun folgende Woche hatte Lenka Hošková, die tschechische Leiterin des Austauschs, ein abwechslungsreiches und interessantes Programm für die tschechisch-deutsche Gruppe zusammengestellt. Es bestand dieses Mal aus zwei Komponenten, zum einen aus der Begegnung mit der deutsch-tschechischen Geschichte und zum anderen aus einem gemeinschaftlich orientierten Programm, so dass sich die tschechischen und deutschen Jugendlichen kennenlernen und anfreunden konnten.

Als Ausgangspunkt für den historischen Teil der Begegnung wurde der deutsch-tschechische Spielfilm „Habermann“ genommen. Anhand der Handlung konnte man, in eine Erzählung mit realem Hintergrund gebettet, nachvollziehen, was Deutsche Tschechen und was daraufhin Tschechen Deutschen im Sudetenland in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts angetan haben. Dieser Film bot einen Ausgangspunkt für die Vertiefung des Wissens um die deutsch-tschechische Geschichte und für die Einsicht in die Tatsache, dass Gewaltspiralen nur durch Deeskalation und Völkerverständigung überwunden werden können.

Und die Völkerverständigung fiel den Schülerinnen und Schülern erfreulich leicht. Tschechische und deutsche Jugendliche lernten einander kennen und hatten in ihrer gemeinsamen Woche viel Spaß miteinander. Abschluss und Höhepunkt der Reise war auch dieses Mal wieder der Besuch der Hauptstadt Prag.

Es war für alle eine wirklich schöne und interessante Woche in Tschechien. Die Schülerinnen, es waren dieses Mal von deutscher Seite nur Mädchen beteiligt, hatten die Möglichkeit, das ihnen in vielerlei Hinsicht noch unbekannte Nachbarland hautnah kennen zu lernen. Sie lebten eine Woche lang in einer tschechischen Familie, besuchten eine tschechische Schule und haben nun neue tschechische Freundinnen und Freunde. Der Abschied am Bahnhof in Prag viel allen schwer, doch zugleich wussten alle: Im Frühjahr, wenn der Gegenbesuch der tschechischen Gruppe stattfindet, gibt es ein Wiedersehen.

Katja Schulte-Bockholt
Bilder: Bianca Steinmann

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