Deutsch-Bulgarischer Austausch:
Europa kommt zusammen

Es ist Freitag, der 25. September 2015 um 3.50 Uhr, und eine Gruppe von 20 Leuten steht einsam in der Eingangshalle des Würzburger Hauptbahnhofs. Ihr Ziel: Sliven, Bulgarien. Die Gruppe besteht aus Frau Rahner, Herrn Richter und 18 Schülern des Gymnasiums Marktbreit aus den Klassenstufen 9 bis 12. Ihre Aufgabe ist es, das Gymnasium mit all seinen Facetten zu repräsentieren, weshalb sie aus allen Bereichen der Schule, wie z.B. Zirkus, SMV, Chor, Instrumentalensemble, Theater und natürlich der Schülerzeitung kommen.

Entschlossen, wenn auch verschlafen, machen sie sich auf den Weg. Mit dem Zug geht es von Würzburg zum Frankfurter Flughafen und von dort aus mit dem Flug LH1426 nach Sofia – zumindest nachdem den Kontrolleuren endlich klar war, dass Frau Rahner keinen Sprengstoff im Gepäck hatte. Nach eineinhalb Stunden Flug landeten wir in Sofia, wo wir von Frau Koycheva empfangen wurden. Außerdem trafen wir dort auf Verwandte des Schülers Nikola Bauer, die uns gleich einen Vorgeschmack auf bulgarische Gastfreundschaft in Form von reichlich Proviant für die lange Busfahrt nach Sliven gaben.

Vor dieser Fahrt war allerdings noch genug Zeit, um die bulgarische Hauptstadt und vor allem das für den Herbst dort typische regnerische Wetter kennenzulernen. Mit dem Bus ging es dann weiter nach Sliven, wo sich unsere Wege nach der vierstündigen Busfahrt schließlich trennten und jeder von seiner Gastfamilie abgeholt und in ihr Zuhause mitgenommen wurde. Der erste Eindruck für viele hier war, dass man wenig versteht und viel zu Essen bekommt. Am Wochenende konnte man sich dann frisch ausgeruht bei Ausflügen mit den Gastgebern besser kennen lernen und keiner von uns wird je vergessen, wie freundlich und offen die Familien ihren Gästen gegenüber waren.

Am Montag war es dann Zeit, die Stadt selbst und besonders die Schule bei einem Rundgang besser kennenzulernen. Außerdem besuchten wir das regionale Museum Slivens, und hatten unsere erste Lektion in bulgarischen Volkstänzen, was anfangs einige rhythmisch überforderte, aber letztendlich doch vielen Spaß machte. Am Dienstag früh besuchten wir das Haus des bulgarischen Nationalhelden und Rebellenführers Hadzhi Dimitar, der den Kampf gegen die osmanischen Besatzer entfachte. Er war ein reicher Mann und hatte deswegen ein für die damalige Zeit luxuriöses Haus mit Küche und Schlafzimmern. Dieses alte bulgarische Haus hat Betten aus einem Holzpodest mit Teppich und eine niedrige Deckenhöhe, sodass der große Herr Richter nicht aufrecht stehen konnte. Später traten wir im Volleyball gegen die bulgarische Schulmannschaft an, was eher wenig erfolgreich verlief. Über den genauen Punktestand schweigen wir lieber. Gegen das eingespielte und technisch deutlich bessere Gegnerteam hatten wir keine wirkliche Chance und konnten selbst nur wenige Punkte erzielen. Zu unserer Verteidigung hatten wir vorher damit gerechnet, gegen „unsere“ bulgarischen Gastgeberschüler anzutreten.

Das gemeinsame Konzert bot ein breites musikalisches Spektrum, bestehend aus bulgarischen Gesängen, klassischen und modernen Stücken. Florian, Nico, Max und Felix stellten den bulgarischen Schülern anschließend Deutschland, Bayern, Unterfranken, Marktbreit und unser Gymnasium vor. Sie präsentierten verschiedene Städte mit ihren Sehenswürdigkeiten, das deutsche Schulsystem, unseren Schulalltag und die verschiedenen Wahlkurse. Abschließend führten Xaver und Julian eine kurze Zirkusnummer auf. Das Konzert und die Präsentation sind beim Publikum – wenn man nach dem Applaus urteilt – recht gut angekommen. Nicht nur viele bulgarische und deutsche Austauschschüler, sondern auch einige bulgarische Mitschüler hörten zu.

Am Mittwoch fuhren wir mit dem Bus in das Museumsdorf Zheravna, wo wir mehrere alte bulgarische Häuser aus verschiedenen Jahrhunderten besichtigten, in denen Nähmaschinen, Bilder und Teppiche ausgestellt waren, darunter auch das Haus des berühmten bulgarischen Schriftstellers Jovkov. Der Aufbau der Häuser ähnelt dem des Hauses vom Vortag, was die Führungen nicht gerade abwechslungsreicher machte. Mittags fuhren wir weiter nach Kotel, wo wir eine Mischung aus Museum und Denkmal besuchten. Dort lernten wir die Geschichte der bulgarischen Schrift, der bulgarischen Schule und des bulgarischen Militärs und die treibenden Persönlichkeiten hinter diesen Entwicklungen kennen. Nachfolgend wurden uns von einer Fremdenführerin die einzigartigen Teppiche aus Kotel vorgestellt, in denen Unmengen an Arbeit stecken und die teilweise Bilder darstellen (letztendlich waren es jedoch nur Teppiche). Das Wetter spielte nicht mit, es war für diese Jahreszeit ungewöhnlich kalt und windig. Heute ging es ein letztes Mal in den Unterricht, bevor wir gemeinsam diesen Artikel verfassten. Später gibt es eine große Abschlussveranstaltung, bei der wir die lange einstudierten bulgarischen Volkstänze endlich aufführen dürfen und diesen Artikel präsentieren. Außerdem werden wir noch das Museum der Slivener Textilindustrie besuchen und morgen werden wir die ganztägige Heimreise antreten.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass unsere Gastgeber sehr freundlich, offen und vor allem großzügig waren – manchmal, vor allem beim Essen, sogar etwas zu großzügig. Sie haben alles ihnen mögliche unternommen, um unseren Aufenthalt angenehm und unvergesslich zu machen, was definitiv gelungen ist.

Niklas Löther (Q12), Florian Schwegler (10b), Alessandro Fasel (Q12), Julian Bischoff (10b)

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