Projekttag der siebten Klassen

In der letzten Schulwoche vor den Sommerferien fanden an unserem Gymnasium die jährlichen Projekttage statt. Am 28. Juli 2015 kamen für die 7. Klassen Menschen mit Behinderung, um uns für ein durch Vertrauen und Verständnis geprägtes Zusammenleben zu sensibilisieren, und von der Polizeiinspektion Kitzingen Frau Susanne Eyrich, um sich mit uns über verschiedene Formen von „Gewalt“ und dem Schutz davor zu unterhalten.

Gewaltprävention

Zunächst setzten wir uns mit dem Thema „Gewaltprävention“ auseinander. Diese Station leitete Frau Eyrich. Im Anschluss an eine kurze Vorstellungsrunde haben wir das sogenannte „Tornadospiel“ gespielt. Hierbei standen die Gemeinsamkeiten der Klassenmitglieder im Fokus. Danach haben wir gemeinsam ermittelt, welche verschiedenen Gewaltarten es gibt und diese durch verschiedene Spiele veranschaulicht. Zum Schluss haben wir ein Rollenspiel durchgeführt, bei der zwei Schüler aus der Gruppe ausgeschlossen wurden. Bei dieser Übung haben wir über Möglichkeiten diskutiert, wie Außenseiter wieder in eine Gruppe integriert werden können.

Gehörlosigkeit

An einer weiteren Station lernten wir die Gehörlose Frau Doris Ehrenreich kennen. Sie erzählte uns viel über ihr Leben mit Behinderung. Sie berichtete, dass sie mit elf Jahren über Nacht schwer erkrankte und dabei ihr Gehör verlor. Durch dieses Ereignis wurde sie aus der Klassengemeinschaft ausgeschlossen und verlor viele Freunde. Frau Ehrenreich konnte sich plötzlich nicht mehr verständigen, was für sie sehr schwer sein musste. Aber dann lernte sie die Gebärdensprache, welche für Hörbehinderte wie eine Muttersprache ist. Mittels dieser Sprache kann sich Frau Ehrenreich mit den Menschen verständigen und auch im Ausland mit den Einheimischen kommunizieren. Frau Ehrenreich ist jedoch auch noch fähig leise „richtig“ zu sprechen, da sie nicht von Geburt an taub war und gelernt hatte zu sprechen. Wörter, die sie vor ihrer Behinderung nicht kannte, kann sie allerdings nur unter erheblicher Mühe aussprechen. Damit sie unsere Fragen „hören“ bzw. beantworten konnte, war Frau Uta Schmitgen vom paritätischen Wohlfahrtsverband Unterfranken mit dabei. Da sie die Gebärdensprache beherrscht, konnte sie unsere Fragen „übersetzen“. Wir haben gelernt, dass es als gehörlose Person nicht immer leicht ist, sich in der Öffentlichkeit zurechtzufinden.

Blindheit

Vom Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbund Unterfranken besuchten uns Herr Michael Schulz und Herr Volker Tesar, die aufgrund ihrer Blindheit von Melina (vom Bundesfreiwilligendienst) begleitet wurden.

Herr Michael Schulz zeigte uns seinen weißen Stock und beschrieb uns dessen Bestandteile. Ganz oben ist eine Handschlaufe, danach ein Griff, bei dem eine Seite geriffelt und die andere glatt ist. Das gibt dem Blinden ein besseres Handgefühl. Danach durften wir das Laufen mit einem solchen Stab im Schulgang üben, um ein Gespür dafür zu bekommen. Ein Sehbehinderter braucht einen weißen Stock, damit er sich in seinem Umfeld orientieren kann und damit er als Blinder erkannt wird. Der Stock hat keine Spitze, sondern eine Kugel, da sich dieser sonst z. B. bei Pflastersteinen in den Zwischenräumen verfangen würde. Herr Schulz sieht nur noch grau. Er erklärte uns außerdem noch, wie man einen Blindenhund benutzt, den man an einem weißen Geschirr erkennt. Dieses Tier braucht pro Tag in jedem Fall drei Stunden freie Zeit, weil er für seinen Einsatz ein hohes Maß an Konzentration benötigt. Der ausgebildete Hund gehört der Krankenkasse und kostet bis zu 25.000 Euro.

Herr Volker Tesar berichtete uns aus dem Alltag eines Sehbehinderten. Er zeigte uns einige seiner technischen Hilfsmittel, z. B. das Smartphone mit Voice-over-Funktion. So können Blinde E-Books anhören. Herr Tesar erzählte uns auch von seiner Erblindung, die er aufgrund der Folgen einer Infektion im Auge erlitt. Wir hatten daraufhin viele Fragen, welche die Bewältigung seines Alltags betrafen. Des Weiteren zeigte er uns ein Gerät, den sogenannten „Braille-Schreiber“ (nach dem System von Louis Braille benannt), in den eine Art „Tastatur“ für die Blindenschrift integriert ist. Diesen verwendet er beispielsweise als Kalender oder Notizbuch. Die Kosten für ein solches Gerät belaufen sich auf ca. 6.000 Euro.

Klasse 7a,
Andrea Heilmann