Der Widerspenstigen Zähmung –
Wann ist der Mann ein Mann?

Kurz vor den Osterferien kam am Gymnasium Marktbreit die Komödie „Der Widerspenstigen Zähmung“ zur Aufführung. Die Theatergruppe der Oberstufe hatte es sich in diesem Jahr zur Aufgabe gemacht, dieses Lustspiel von William Shakespeare in einer modernen Weise zu inszenieren und doch so nah wie möglich am Originaltext zu bleiben.

Der Titel deutet es schon an, es geht in diesem Theaterstück um eine Variante des Geschlechterkampfs, genau genommen um die Variante, in welcher der starke, souveräne Mann die zickige, widerspenstige Frau mit allerlei List und Tücke zähmt und an sich bindet. Die Komödie ist, so wurde treffend über sie geschrieben, eine Männerphantasie. Und sie entstand im 16. Jahrhundert, als im London der elisabethanischen Zeit vermeintlich widerspenstige Frauen an Stühle gefesselt und in die Themse getaucht wurden, bis sie Besserung gelobten.

Ein reicher Mann aus Padua, Baptista Minola, hat zwei Töchter im heiratsfähigen Alter. Die eine, Bianca, ist schön und liebreizend, weshalb sie zahlreiche Bewerber hat. Ihre Schwester Katharina ist ebenso schön, aber höchst eigenwillig, weshalb niemand sie heiraten möchte. Um beide Töchter unter die Haube zu bringen, entscheidet Baptista Minola, dass Bianca erst heiraten darf, wenn auch Katharina einen Mann gefunden hat. Die Bewerber Biancas bemühen sich nun, gleichzeitig zwei Dinge zu bewerkstelligen: sich gegenseitig bei Bianca auszustechen und einen Bewerber für die widerspenstige Katharina zu finden. Hier nun kommt der Glücksritter Petruchio ins Spiel , der mit einer gehörigen Portion Selbstbewusstsein und Methoden, die zwischen Schmeicheleien und bewusst eingesetztem Machogehabe wechseln, das widerspenstige Mädchen zähmt. Er hält ihr, so die Fachliteratur, einen Spiegel ihres Verhaltens vor, worauf sie sich reuig in die erwünschte Frauenrolle fügt und ihren zukünftigen Ehemann als Herrn und Gebieter anerkennt.

William Shakespeare realisierte diese Männerphantasie mit einer gehörigen Prise Humor. Und über die Jahrhunderte hinweg war es dieser Humor, der zum Hebel für eine Modernisierung des Stücks wurde. Und genau so hat es auch die Schulspielgruppe 2 gemeinsam mit ihrer momentanen Leiterin Katja Schulte-Bockholt gehalten. Mit viel Engagement und Witz haben die Darstellerinnen und Darsteller auf der Bühne, die Bühnenbildner, die Techniker und die Kostümbildnerinnen gemeinsam versucht, das Stück sanft, aber nachhaltig zu ironisieren. Dazu trugen auch die Tänzerinnen der Neigungsgruppe Tanz unter der Leitung von Iris Ruppert und die musikalische Untermalung durch Martin Oltsch auf sehr gelungene Weise bei.

Und so konnte an zwei Theaterabenden über vielerlei herzlich gelacht werden: über die Widerspenstigkeit mancher Frauen und über die Dummheit mancher Männer; über Machos und solche, die es gern wären; darüber, was die Liebe mit den Menschen anstellt, und darüber, wie trefflich Shakespeare das alles vor vielen hundert Jahren schon beobachtet hat.

Katja Schulte-Bockholt
Bilder: Alessandro Fasel

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