Ein Jugendrichter steht Rede und Antwort

Die letzte Deutschlektüre der Klasse 8b war der Anlass. In dem Jugendtheaterstück „Das Herz eines Boxers“ von Lutz Hübner ging es um den 16jährigen, straffällig gewordenen Jojo, der Sozialstunden in einem Altenheim ableisten muss und dort in Kontakt mit dem ehemaligen Boxer Leo kommt.

Neben den anderen wichtigen Themen des Stückes wie dem Konflikt Jung-Alt beschäftigte das Problem „Jugendkriminalität“ die Klasse und ihre Deutschlehrerin Renate Lutz. Das Beste wäre es, zu den offenen Fragen einen Experten zu Rate ziehen zu können. So kam es zu der – von einer Schülermutter vermittelten – Einladung an den Jugendrichter am Amtsgericht, Herrn Wolfgang Hülle, in den Unterricht.

Am vergangenen Freitag stand dieser eine Schulstunde lang den Schülern bereitwillig Rede und Antwort. Es wurden zunächst Fakten wie die Strafmündigkeit von Jugendlichen zwischen 14 – 18 bzw. bis 21 Jahren oder die häufigsten Delikte in dieser Altersgruppe im Kreis Kitzingen behandelt. Interessant war zu erfahren, dass Jungen häufig im Zusammenhang mit zu schnellem Fahren, dem „Frisieren“ von Mopeds, dem Fahren ohne Fahrerlaubnis u. ä., Mädchen öfters wegen Ladendiebstählen gefasst werden. In vielen Fällen spielt – wie in unserer Lektüre – auch der Gruppenzwang eine Rolle. Insgesamt sei leider eine Tendenz zu sexuellen Übergriffen und der Anwendung von körperlicher Gewalt, wo heute zum Teil keine Grenzen mehr eingehalten würden, zu erkennen. Entgegen dem landläufigen Vorurteil seien aber Jugendliche mit Migrationshintergrund nicht stärker vertreten. Auch die verschiedenen Abstufungen der Strafen – sofern es überhaupt zu einer Gerichtsverhandlung kommt – wurden besprochen: von Verwarnungen, Geldstrafen, Ableistung von gemeinnützigen Arbeiten bis zum Jugendarrest bzw. zum Aufenthalt in einer Jugendstrafanstalt. Vorrang hat bei allen Strafen aber der Erziehungsgedanke.

Zuletzt stellten die Schüler auch Fragen zum Berufsbild des „Jugendrichters“ und die persönlichen Erfahrungen von Richter Wille. So ging eine informative „Schulstunde der anderen Art“ schnell vorüber und die Klasse bedankte sich mit Beifall bei unserem Experten.

Renate Lutz