Leben – einmal anders

Projekttage, unterschiedliche thematische Akzentuierungen für die einzelnen Jahrgangsstufen, bestimmten am Gymnasium Marktbreit die letzte Schulwoche des Schuljahres 2011/2012. Der 26. und 27. Juli stand für die Schülerinnen und Schüler der siebten Jahrgangsstufe unter dem Motto „Leben mit Behinderung“. Die interessierten Jugendlichen erhielten durch Gäste vom Paritätischen Wohlfahrtsverband und vom Bayerischen Blindenbund einen Einblick in das Leben, den Alltag von gehörlosen, stimmlosen und sehbehinderten Menschen.

In verschiedenen Kleingruppen lernten die Schülerinnen und Schüler von Herrn Michael Schulz, der im Laufe der Jahre erblindet war, beispielsweise den Nutzen und den Umgang mit einem Blindenstock und versuchten durch Stocktraining sich ein klein wenig mit der Situation eines Sehbehinderten vertraut zu machen. Sie erfuhren, dass der weiße Blindenstock weltweit als Kennzeichen Sehbehinderter gilt. Den Schülerinnen und Schülern wurden die Rechte von blinden Personen im Alltag erklärt und sie erlernten die ersten Buchstaben des Blindenschrift-Alphabets, einer tastbaren Blindenschrift, die 1825 von Louis Braille entwickelt wurde. Die möglichen Hilfsmittel einer sehbehinderten Person faszinierte die interessierten Jugendlichen sehr: Herr Christian Rupp stellte ihnen sein Notebook vor, das mit einem speziellen Aufsatz der Braille-Schrift versehen war. Erstaunt waren sie ebenso über sein sprechendes i-Phone und andere Hilfsmittel, wie z.B. eine sprechende Uhr. Darüber hinaus erfuhren die Schülerinnen und Schüler Einiges aus dem Berufsalltag von Christian Rupp, der bei Gericht Protokolle schreibt.

In der Pause stärkten sich die Gäste und die Siebtklässler an einem großen Buffet aus selbstgebackenen Kuchen für die nächsten Informationen. Da Behinderte in ihrem Alltag oft auch Übergriffen ausgesetzt sind, hörten die Teilnehmer von Herrn Pfarrer Matthias Wagner einen Vortrag über Gewaltprävention und setzten sich mit ihm über Mobbing auseinander, das es auch im Schulalltag und im sozialen Netzwerk gibt. Für die Jugendlichen sehr interessant, zunächst aber auch befremdend war das Gespräch mit Herrn Walter Henke, der von Geburt an gehörlos ist, da die Unterhaltung mit ihm nur zusammen mit seiner Dolmetscherin möglich war. Er erzählte aus seinem Alltag, dem Umgang mit der Behinderung, über seine Kommunikationsmöglichkeiten, seine Hilfsmittel, das Ausdrücken von Gefühlen und die Geschichte der Gebärdensprache. Gemeinsam mit Herrn Henke wurden kleine Gebärden geübt. Es überraschte die Jugendlichen sehr, als sie erfuhren, dass die Zeichen-/Gebärdensprache bis in das Jahr 2002 in Deutschland verboten war und es auch keine einheitliche Gebärdensprache auf der Welt gibt.

Die Schülerinnen und Schüler fanden es bewundernswert, wie sich behinderte Menschen in unserer Gesellschaft zurechtfinden, und sie wissen nun, dass sie, wenn sie das nächste Mal in ihrem Alltag auf einen Behinderten treffen, selbst nicht mehr hilflos sein werden.

Andrea Heilmann