Besuch beim Amtsgericht in Kitzingen

Der Ethik-Kurs 11/12 besuchte das Amtsgericht in Kitzingen im Rahmen seines Semester-Themas Recht und Gerechtigkeit. Im Gegensatz zu vielfältigen derartigen Erlebnissen, die der durchschnittliche 17-Jährige schon im Fernsehen gehabt hat, ist das am Amtsgericht die wirkliche, authentische Welt der Gerichtsbarkeit. Hier wird nicht so getan als ob, hier geht es um Schuld und Sühne, um Menschen, deren Leben vielleicht entscheidend von einem Richter angestoßen werden kann: im Namen des Volkes.

Dieser Richter, bei dessen Eintreten alle aufstehen, um seiner Autorität entsprechend Genüge zu leisten, lässt sich vom Staatsanwalt dessen Erkenntnisse und Ermittlungsresultate vorstellen. Dann erhält der/die Angeklagte die Gelegenheit der Gegendarstellung. Eventuell gibt es dann noch Stellungnahmen des Verteidigers und Zeugenaussagen; schließlich die Plädoyers und das letzte Wort:

Dann hält der Angeklagte den Atem an, wenn der Richter sein Urteil verkündet: welchen Verlauf wird das Leben von hier aus nehmen? Ist man ab sofort vorbestraft, muss man Geld bezahlen, Dienste für Soziales leisten? Gibt es eine Gefängnisstrafe, mit oder ohne Bewährung? Nun, wir waren Zeugen zweier relativ kurzer Verhandlungen.

Zunächst war eine Frau angeklagt, unter erheblichem Alkoholeinfluss, noch dazu ohne gültige Fahrerlaubnis, einen kleineren Sachschaden angerichtet zu haben. Erschwerend kam hinzu, dass sie z.T. einschlägig vorbestraft war. So war es dann überraschend, dass die Strafe auf 100 Tagessätze à 20 € festgelegt wurde. Eine Freiheitsstrafe, mit oder ohne Bewährung, wäre wohl auch möglich gewesen.

Im zweiten Fall lagen ebenfalls Fahren unter Alkohol (schon verjährt) und das Fehlen eines gültigen Führerscheins vor. Verkompliziert wurde die Situation dadurch, dass der Mann nach seiner Aussage einen Führerschein in Tschechien gemacht hat, aber dabei einem Betrug aufgesessen war, sodass dieser Führerschein ungültig war. Staatsanwalt und Richter waren sich schnell einig, dass sie diesen Fall einstellen wollten, da Ermittlungen im Ausland sehr aufwendig und im Ergebnis unvorhersehbar seien. Außerdem büßte der Mann gerade noch eine Strafe wegen eines anderen Deliktes ab, was ihm offenbar im verhandelten Fall zugute kam.

Manfred Engelhardt