Gemeinsames Projekt von Zirkuskindern und körperbehinderten Jugendlichen

Jugendliche Artisten bauen eine schwindelerregende Menschenpyramide, mutige Akrobatinnen und Akrobaten zeigen mehrere Meter über dem Boden der Turnhalle des Zentrums für Körperbehinderte in Würzburg ihr Geschick auf dem Trapez. Einräder sausen durch die Manege, geschickte Artisten jonglieren mit drei oder vier Bällen - eine ganz normale Vorstellung des bekannten Schulzirkus Gymnelli des Gymnasiums Marktbreit, so sollte man meinen.

Doch diese Vorstellung am letzten Samstag im Zentrum für Körperbehinderte war etwas Besonderes, denn die Akrobaten waren neben dreißig Zirkuskindern des Schulzirkus Gymnelli auch vierzehn Kinder und Jugendliche des Zentrums für Körperbehinderte in Würzburg. Unter der Leitung von Barbara Clobes bestritten sie eine einstündige Vorstellung, die im Rahmen des Adventsbasars des Zentrums für Körperbehinderte stattfand. Die Turnhalle war voll besetzt und die zweihundert Zuschauer im Publikum staunten begeistert, was die Jugendlichen hier gemeinsam auf die Beine gestellt hatten.

Die Idee für das Projekt entstand im letzten Sommer auf dem Sommerfest des Zentrums für Körperbehinderte, bei dem auch der Schulzirkus Gymnelli eine Vorstellung gab. Hans Rainer Eck als Schulleiter des Zentrums , Margot Frühauf als stellvertretende Schulleiterin, Sandra Zeitz als Zirkusmutter und Lehrkraft am ZfK und Barbara Clobes als die Leiterin des Schulzirkus Gymnelli überlegten gemeinsam, wie man ein solches Projekt angehen könnte, und beseitigten zusammen alle organisatorischen Hindernisse. Und so konnten in diesem Schuljahr in sieben Trainingsstunden die zum Teil mehrfach behinderten Kinder und Jugendlichen gemeinsam mit den Zirkuskindern am Gymnasium Marktbreit trainieren.

Es war eine wunderbare Erfahrung für beide beteiligten Gruppen! Zirkusarbeit, so betont Barbara Clobes, ist eine sehr körperorientierte Projektarbeit. Die Artisten müssen körperliche Nähe zulassen können, einander helfen, stützen und Sicherheit geben. Das lernen die Zirkuskinder in ihrer gemeinsamen Arbeit und das ist auch den Schülerinnen und Schülern des ZfK vertraut, die auf gegenseitige und auf fremde Hilfe angewiesen sind. Und so gab es fast keine Berührungsängste zwischen den Teilnehmern des Projektes. In den Trainingsstunden stärkten die Jugendlichen ihr gegenseitiges Vertrauen und auch die vier die Gruppe begleitenden Betreuerinnen und Betreuer des ZfK arbeiteten auf Augenhöhe mit ihren Schützlingen und den Zirkuskindern des Gymnasiums Marktbreit.

Die Herausforderung für die beiden Gruppen bestand darin, auszuprobieren, was an gemeinsamer Zirkusarbeit möglich war: Wie kann man einen Rollstuhlfahrer in eine Menschenpyramide einbauen? Wie kann man gemeinsam jonglieren, welche Geräte eignen sich und was brauchen die Schüler mit Handycap an Hilfestellung, um in das Projekt integriert werden zu können.

Alle Beteiligten waren mit großer Begeisterung bei der Sache. Gemeinsam bewältigten sie ihre Aufgabe und fanden immer neue Möglichkeiten für die Nummern der Vorstellung. Sie achteten aufeinander, halfen einander, lernten miteinander. Für die Schülerinnen und Schüler des ZfK war es eine wunderbare Erfahrung, dass sie an einem solchen Projekt teilnehmen können und dass auch sie, die sonst oft auf Hilfe angewiesen sind, anderen Jugendlichen körperlich helfen können.

Die gemeinsame Vorstellung im Zentrum für Körperbehinderte war der krönende Abschluss einer intensiven achtwöchigen Zusammenarbeit, bei der das begeisterte Publikum die großartige Leistung der Jugendlichen unter der Leitung von Barbara Clobes mit donnerndem Applaus würdigte. Auf beiden Seiten ist bereits eine Fortsetzung der gemeinsamen Arbeit im nächsten Schuljahr angedacht. Auch der Schulleiter des Gymnasiums Marktbreit, Toni Gernert, begrüßt die Fortsetzung der Zusammenarbeit der beiden Einrichtungen sehr, auch in anderen Bereichen wie etwa in der Kunsterziehung.

Katja Schulte-Bockholt

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