Romeo und Julia

Aufführung der Schulspielgruppe 2 am Gymnasium Marktbreit

Schon nach wenigen Minuten hat sich auf der Bühne eine handfeste Prügelei entwickelt. Es wird geschlagen, getreten und geschubst, die Anhänger zweier Klans kämpfen gegeneinander. Es sind die Capulets und die Montagus, die sich hier vor einer südlich anmutenden Gartenlandschaft bekriegen. Und es ist „Romeo und Julia“ von Shakespeare, das gegeben wird. Schon nach wenigen Minuten wird turbulent und griffig inszeniert, um was es in diesem Stück geht, nämlich um die Unmöglichkeit einer romantischen Liebe.

Die Schulspielgruppe 2 unter der Leitung von Dr. Roland Kofer hat in diesem Schuljahr das wohl bekannteste Stück von William Shakespeare mit viel Können und Engagement auf die Bühne gebracht. An drei Abenden spielte sie vor vollem Saal die Geschichte der zwei Liebenden, gegen die alles steht. Es war eine zumeist klassische Inszenierung, für die sich die Schulspielgruppe dieses Mal entschieden hat, klar und geradlinig entwickelten die Schauspielerinnen und Schauspieler die abwärtsstrebende Handlung bis zur Katastrophe.

Leicht und tändelnd fängt alles an. Romeo, der einzige Sohn der reichen Familie Montagu, besucht ein Fest im Hause der verfeindeten Familie Capulet, die sehr gelungen als stolze, heißblütige und mutige Zigeunerfamilie inszeniert wird. Hier geben gekonnte und mit Witz von Iris Ruppert choreographierte Tanzeinlagen dem Stück eine spielerische Note. Das Publikum muss lachen, wenn eine Handvoll Diener mit liebevoller Tollpatschigkeit die Festtafel deckt oder wenn zu den Klängen der Band „Monday sucks“ der liebeskranke Romeo durch das Fest der Capulets stolpert. Die Menge tanzt und feiert, aber er sieht nur Julia. Er verfolgt sie mit seinen Blicken, kann seine Gefühle kaum kontrollieren, lacht, taumelt, setzt sich, steht wieder auf, wendet sich irritiert ab und muss doch immer wieder nach ihr sehen. Felix Tremmel spielt die Rolle des Romeo gekonnt und er spielt sie in all ihren Schattierungen. Die Liebeskrankheit am Anfang, dann die Angst, das Nichtfassenkönnen, die Schuld, die Suche nach einem Ausweg bis keiner mehr bleibt, das Aufbäumen gegen die Unmöglichkeit eines guten Endes. Und er findet in Deborah Bauer, welche die Julia spielt, eine ebenbürtige Partnerin. Sie ist die Schöne, die Reine, das junge Mädchen, das bedingungslos liebt und dafür weiter geht als gut für sie ist. Sie und auch die anderen Schauspieler bringen die Aussage des Stücks glaubhaft auf die Bühne.

Alles wendet sich gegen die Liebe von Romeo und Julia: der erbarmungslose Streit der verfeindeten Familien, aber auch die Bemühungen derer, die den beiden helfen wollen. Alles was passiert, was getan oder unterlassen wird, gerät tragisch zu einem weiteren Baustein des Geschehens, das mit dem Tod der Hauptpersonen endet.

Da sind die Figuren, die gegen die Liebe stehen: die stolze Familie der Capulets, die vor allem durch ihren Patriarchen (übezeugend gespielt von Marius Gold) und Julias Cousine Tyberia repräsentiert wird. Sie sind gegen diese Verbindung und Tyberia sucht den Kampf mit den Montagues. Als Männerrolle angelegt, aber von Carly Jurcic sehr gelungen in eine Frauenrolle umgewandelt, provoziert sie Romeo. Sie sucht Streit, faucht und kratzt und tötet schließlich Romeos Freund Mercutio. Auch die Rolle des Mercutio ist mit Florian Frank sehr gut besetzt. Ironisch spiegelt er die Verliebtheit seines Freundes, macht sich über ihn lustig, bringt die Wut, die Aggressivität und die Kampfeslust der Familie Montagu auf die Bühne. Er ist der erste Tote, vier weitere werden folgen, bis die Tragödie zu Ende ist.

Und auch die Helfer der beiden Liebenden scheitern. Julias Amme, sehr lebendig gespielt von Beeke Tappe, befördert geschwätzig, selbstverliebt und gedankenlos die Verliebtheit ihres Zöglings. Sie bringt das Publikum durch ihre umständliche und lamoryante Art zum Lachen. Fast naiv befördert sie die heimliche Heirat Julias mit Romeo, die doch der Realität der bis aufs Blut verfeindeten Familien nicht standhalten kann. Sie denkt nicht nach. Auch Pater Lorenzo, sehr erfrischend gespielt von Felix Burckhardt, will den beiden helfen. Er denkt zwar nach, aber er denkt falsch. Gutmütig und behäbig macht er sich zum Schützer der Liebenden, traut sie heimlich, will durch diese Ehe Tatsachen schaffen, die die beiden Familien wieder zusammenführen, übersieht jedoch, dass das so nicht zu machen ist. Er gibt nicht rechtzeitig auf, als alles schon hoffnungslos ist, als Romeo aus Verona verbannt ist, als Julia einen anderen heiraten soll. Doch all seine gut gemeinten Versuche münden schließlich doch in die Katastrophe. Man kennt die grausige Geschichte: falsches Gift, dann echtes Gift, schließlich ein Messer, bis beide Liebenden sich selbst nacheinander den Tod gegeben haben.

Am Ende schließt sich der Kreis, die beiden Klans sind wieder auf der Bühne, zwischen ihnen das tote Paar. Nun versöhnen sie sich, kämpfen nicht mehr, betrauern ihre Toten. Reue und Versöhnung der Verantwortlichen halten jedoch dem Ausmaß des angerichteten Schadens nicht stand, nur scheinbar rückt die Welt wieder ins Gleichgewicht.

Beinahe fünfzig Mitwirkende vor und hinter der Bühne haben das Drama unter der beeindruckenden Regie von Dr. Roland Kofer fulminant zur Aufführung gebracht. Sie wurden unterstützt von Iris Ruppert (Choreographie), Martin Burkard (Musik) und Ulrike Dietrich Knobling (Bühnenbild). Und sie alle haben ein weiteres Mal bewiesen, dass sich eine Schulbühne den großen Stücken der Weltliteratur stellen kann und erzählten ihrem begeisterten Publikum die zeitlose Geschichte von den zwei Liebenden, die nicht zueinander finden können, und vom ständigen Lauern des Todes im Liebesglück.

Katja Schulte-Bockholt
Fotos: Frau Burckhardt, Johannes Holubar

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