Wie im Märchen

Vorhang auf und Manege frei hieß es wieder für die über 120 Artisten des Schulzirkus Gymnelli des Gymnasiums Markbreit. Werbung ist für die Zirkusdarbietungen schon lange nicht mehr notwendig, denn die Vorstellungen sind schon Wochen vorher ausverkauft, und es kommen nicht nur Eltern oder Angehörige, sondern auch viel Interessierte Zuschauer aus der ganzen Region.

Alles ist wie immer: Schulleiter Toni Gernert übernimmt die Begrüßung der vielen Zuschauer und Zirkusdirektorin Barbara Clobes hat mit Beginn der Vorstellung nicht mehr viel zu tun. Schließlich sind das Training, das Einstudieren und die Proben vorbei. Jetzt sind die Zirkuskinder gefordert zu zeigen was sie gelernt haben, und welche Zirkuskünste sie beherrschen. Sie sind nervös, die Umkleiden gleichen für einen Unbeteiligten einem Chaos, aber die Artisten haben ihre Ordnung und ihr System. Sie wissen genau, worauf es bei ihrer großen Aufführung, für die sie viele Monate trainiert haben, ankommt.

Und sie wissen auch, dass sie auf sich alleine gestellt sind. Sie müssen ihre Utensilien und ihre Kostüme parat haben, so dass Ordnung angesagt ist. Sie organisieren sich selbst, helfen sich gegenseitig und trösten auch, wenn etwas schief geht. Und sie wissen genau, dass es an ihnen liegt, ob die schon seit Wochen ausverkauften Vorstellungen ein Erfolg werden. Und sie fiebern auch, weil sie endlich zeigen wollen, was sie können, und manche Eltern oder Angehörige waren überrascht, welche Talente ihre Kinder entwickelt hatten.

Und dann geht es endlich los! „Wie im Märchen“ war das diesjährige Motto und die Zuschauer wurden tatsächlich in eine Märchenwelt entführt. Alle klassischen Elemente, die der Zirkus bietet, waren zu sehen, Balljonglage, teilweise witzig und spritzig, Keulen, die durch die Luft wirbelten und einfach schön anzusehen waren, silberne Ringe, die ein prächtiges Bild abgaben, Räuber, die mit ihren Diabolos die tollsten Kunststücke zeigten, aber auch Kugellauf, Tellerdrehen, Leiterakrobatik, Devil-Sticks oder die Zwerge auf ihren Rola-Bolas. Die Trampolinspringer mit ihren vielen unterschiedlichen Sprüngen, Salti, Drehungen und Flic Flacs sorgten für Stimmung.

Die Bodenturner boten diesmal nicht nur eine großartige Leistung, sondern auch eine tolle Choreographie, die durch die gold-schwarzen Kostüme noch verstärkt wurde, und eine regelrechte Augenweide war die Adagio-Akrobatik, bei der sich die Artisten fast selbst übertrafen. Überraschend sind auch immer wieder die Vorführungen der Einräder, bei denen selbst die Zirkusneulinge zeigen können, was sie in der kurzen Zeit gelernt haben. Sie bilden Ketten, fahren zu viert Kreise und drehen sich. Den Neulingen sieht man die Anspannung an, aber sie machen ihre Sache gut. Die Fortgeschritten sind schon lockerer und führen einen richtigen Tanz vor, und die Steigerung ist dann das Fahren auf dem Hocheinrad, was die Zuschauer beeindruckt. Für ein gewisses Schaudern sorgt immer wieder die Feuernummer, wobei dieses Mal Feuer-Ketten gekonnt geschleudert wurden. Als neues Element wurde dieses Jahr der Schwebebalken eingeführt, und die Artistinnen zeigten erstaunliche Fähigkeiten.

Das Vertikalseil und das Vertikaltuch erfordern besonders viel Kraft in Armen und Beinen. Und auch bei diesen Darbietungen waren Anfänger mit dabei, die die schwierige Technik in der kurzen Zeit seit Schuljahresanfang erlernt hatten, was ein gewisses Talent voraussetzt. Wenn dann jedoch die Könner bis unter das Dach der Turnhalle hochklettern und ihre Künste voller Eleganz zeigen, sich mit gekonnter Technik wieder hinunterfallen lassen, dann stockt den Zuschauern der Atem und sie sind begeistert.

Die Luftakrobaten nahmen bei der diesjährigen Aufführungen einen besonders großen Raum ein. Die Darbietungen am Aerial-Ring, der durch die Luft schwebt, sind schon seit einigen Jahren ein High-Light. Die Einzelvorführungen waren toll, doch die beiden Artistinnen des Doppels schwebten tatsächlich durch die Luft und bezauberten mit ihren Figuren. Auch die Darbietungen am Trapez waren heuer sehr vielfältig, so glitzerten Sterne beim Partner und beim Dreiertrapez, wobei auch das Tuch-Trapez diesen Vorführungen nicht nachstand. Erwähnenswert ist, dass dieses Mal schon Sechstklässlerinnen ihr Können am Trapez zeigten, was die Zuschauer begeisterte.

Als seien die klassischen Zirkuselemente nicht genug, sorgen abwechslungsreiche und witzige Zwischennummern immer wieder für Überraschungen. Da war eine Hutjonglage zu sehen, ein Charlston des Männerballetts, die Prinzessinnen, die mit Bällen spielen, und kurze Sequenzen, die die Märchen miteinander verbanden.

Schön anzusehen waren auch dieses Jahr wieder die unterschiedlichsten Pyramiden, die in kürzester Zeit entstanden, ein Block nur mit den 32 Anfängern, und am Ende der Aufführung mit 52 Zirkuskindern, die die Dornröschenhecke riesengroß wachsen ließen. Zirkusdirektorin Barbara Clobes hat ihr Konzept beibehalten, dass die Anfänger in ihren eigenen Nummern zeigen können, was sie in einigen Monaten schon alles erlernt haben, was einfach phantastisch ist. Toll ist jedoch auch, dass so viele Zirkuskinder viele Jahre dem Zirkus treu sind, ihre Talente weiterentwickeln und ganz enorme sportliche Leistungen zeigen, mit denen sie in jedem namhaften Zirkus auftreten könnten.

Die Zuschauer waren von der Aufführung alle hellauf begeistert und sparten nicht mit Applaus für die Artisten und ihre phantastischen Leistungen. Als einzigen Kritikpunkt könnte man anführen, dass die Vorstellung zu lang war, so dass nicht nur die kleinen Besucher, sondern auch die Erwachsenen unruhig wurden. Doch auch der objektivste Betrachter hätte nicht entscheiden können, welche der hervorragenden Nummern man hätte weglassen sollen, so phantastisch war jede einzelne.

Uschi Merten (Main-Post)

Plakat

Bildgalerie