Steinzeit live im Geschichtsunterricht

Spannung und Spaß auch ohne Wii

Ein Leben ohne Wii, Computerspiele, Handys oder Pizza? Völlig undenkbar, zumindest für die Schüler der sechsten Klassen des Gymnasiums Marktbreit. Doch wie lebten die Menschen in der Steinzeit denn nun eigentlich und gab es wirklich keine Handys?

Lothar Breindl führt den Schülerinnen und Schülern vor, wie man in der Steinzeit Feuer gemacht hat.

Diese und andere Fragen wurden im Rahmen eines Projektes im Geschichtsunterricht den Schülerinnen und Schülern am 06. Oktober 2010 beantwortet. Sie erhielten die Möglichkeit, einige Dinge selbst zu erleben und auszuprobieren. Lothar Breinl, experimenteller Archäologe und Grabungstechniker des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege, reiste letzten Mittwoch am frühen Morgen an, um die interessiert lauschenden Sechstklässler zunächst mit einem Diavortrag über die Schwierigkeiten seines Berufes aufzuklären. Doch er erzählte nicht nur, sondern ließ die Schülerinnen und Schüler auch selbst Schätzungen über die Verwendung von gefundenen Grabbeigaben anstellen. Es gelang ihm, ihnen begreiflich zu machen, wie schwierig, aber auch wie spannend es ist, aus den spärlichen Funden von Knochen, Pfeilspitzen, Steinbeilen, Keramikscherben, Arm- und Beinreifen sowie Gürtelschließen ein plastisches Bild vom Leben in jener Zeit zu rekonstruieren.

Gebannt schauten sie Herrn Breinl anschließend zu, als er zeigte, wie Werkzeuge in der Steinzeit gewonnen wurden, und ein mutiger Schüler ließ sich sogar mit einer scharfen Feuersteinklinge die Haare schneiden. Der Höhepunkt seines Vortrages wurde schließlich mit der Erzeugung eines kleinen Feuers im Klassenzimmer erreicht, für das Herr Breinl mit Hilfe von Feuerstein und Pyrit (Katzengold) ein paar Funken auf den Zunder (Baumschwamm) fallen ließ und das kleine Feuer schließlich mit trockenem Gras und unter vorsichtigem Anpusten entfachte.

Im Anschluss daran stürzten sich die Schülerinnen und Schüler voller Feuereifer und Arbeitswut in die Herstellung eigener Steinzeitprodukte. Sie bastelten Pfeile, stellten Steinzeitbohrer her, töpferten Schalen aus Ton und erschufen mit Hilfe einer Schnur und eines Brettes den Vorgänger unserer Handys, wobei letzeres zum Erstaunen der Schüler erstaunlich gut funktionierte.

Mit Hilfe dieses geschichtlichen Projektes wurde nicht nur Interesse und Begeisterung für die Steinzeit geweckt, sondern auch das Vorurteil überwunden, dass es im Geschichtsunterricht nur um langweilige und verstaubte Inhalte geht.

Alexandra Just und Anne Hofmann

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