„Wenn es bei uns Broccoli gibt, laufe ich weit weg“

Ein Vortrag zu Lernen und Gedächtnis

1200 Vokabeln reichen, um 80% eines lateinischen Textes zu verstehen. Der wichtige Grundwortschatz im Englischen liegt bei etwa 2000 Wörtern. Wie aber kann man sich eine solche Menge an Wörtern am besten einprägen? Neues lernen und dauerhaft behalten, das war das Thema am gut besuchten Elternabend zum Thema „Gedächtnispsychologie und Lernmethoden“, der am 24.2.2010 in der Mensa des Gymnasiums Marktbreit stattfand. Ziel der Veranstaltung war es in erster Linie, den Eltern zu zeigen, mit welchen Methoden am effizientesten Vokabeln gelernt werden können. Die Schülerinnen und Schüler erhalten zwar im Rahmen des Unterrichts viele entsprechende Tipps, aber auch die Eltern sollten solches Methodenwissen haben, um ihre Kinder bei der häuslichen Vorbereitung besser unterstützen zu können.

Nach der Begrüßung der Eltern durch den neuen Schulleiter OStD Toni Gernert informierte die Beratungslehrerin OStRin Gabriele Wollmann in einem ersten Teil über die physiologischen Voraussetzungen für Denken und Gedächtnis. Sie klärte über wesentliche Zusammenhänge zwischen Gehirnstruktur und Lernen auf. Dabei ist es wichtig zu verstehen, wie das Gehirn aufgebaut ist, wie Nervenzellen miteinander kommunizieren und wie Informationen über die Zwischenstation des Arbeitsgedächtnisses schließlich im Langzeitgedächtnis abgespeichert werden. Aus den dargestellten Erkenntnissen der Gehirnforschung ergeben sich Grundsätze sinnvollen und effektiven Lernens: Lernen braucht Zeit, Motivation und eine möglichst stressfreie Umgebung. Gelerntes muss außerdem mehrmals wiederholt werden, um dauerhaft erinnert zu werden. Lernen fällt im Allgemeinen leichter, wenn man dabei gleichzeitig mehrere Sinne nutzt, weil so beide Gehirnhälften aktiviert werden. Schließlich ist es hilfreich, wenn Lernstoff gut strukturiert wird und Lernen planvoll geschieht.

Im zweiten Teil des Abends referierte OStRin Carina Gold über die praktische Anwendung dieser Erkenntnisse für das Lernen von Vokabeln in den Fächern Latein und Englisch. In Zusammenarbeit mit OStR Dr. Kofer hatte sie verschiedene Wege zum Memorieren neuer Wörter in den Fremdsprachen in einer mit vielen konkreten Beispielen anschaulich gestalteten Präsentation zusammengestellt. Neues Wortmaterial lernt man am besten, wenn man sich individuelle Eselsbrücken baut, wie es z.B. ein Schüler mit dem Wort „procul“ (lat. für „weit weg“) machte: Mit dem Satz „Wenn es bei uns Broccoli gibt, laufe ich weit weg.“, den er sich als Denkstütze dazu ausdachte, wird ihm diese Vokabel sicher nie mehr entfallen. Von großer Bedeutung ist es zudem, Neues an Bekanntes anzuschließen. Also lernt man in Wortfamilien oder sucht Parallelen in anderen Sprachen. Günstig ist auch das Lernen in Themenfeldern, welches durch eine bildliche Darstellung der zu lernenden Wörter enorm unterstützt wird, weil hier mehrere Sinneskanäle angesprochen werden und so eine bessere Verankerung im Gedächtnis erreicht wird.

Viele Eltern fanden die Hinweise und Tipps sehr hilfreich. OStD Gernert betonte in seinem Schlusswort, dass neben der Beratungslehrkraft auch die Fachlehrkräfte stets bereit sind, Eltern bezüglich des richtigen Lernens in ihren Fächern zu beraten, um die Schülerinnen und Schüler erfolgreich durch das Gymnasium zu begleiten.

Gabriele Wollmann