Shakespeares Sommernachtstraum am Gymnasium Marktbreit

Unter der Leitung von Dr. Roland Kofer haben die Schulspielgruppe 2 und der Grundkurs Dramatisches Gestalten am Gymnasium Marktbreit in diesem Schuljahr William Shakespeares Sommernachtstraum in einer gelungen modernisierten Fassung auf die Bühne gebracht.

Alles dreht sich in dieser märchenhaften Komödie um die Liebe, die in diesem Stück von vielen Seiten beleuchtet wird. Der Handlungsort ist das ehrwürdige Athen. In einer vornehm-heiteren Palast- und Gartenlandschaft bereiten sich der Herzog von Athen (Eduard Müller) und die Amazonenkönigin Hippolyta (Christina Plaswig) auf ihre Hochzeit vor. Und um diese Hochzeit ranken sich alle Liebesgeschichten und Gefühlsverwirrungen, welche auf vielfältige Weise die Facetten dessen, was Liebe ist und bewirken kann, ausloten.

Zunächst wäre da die durch gesellschaftliche Verwicklungen zu verhindern versuchte Liebe: Die schöne Hermia (Maiken Tappe) liebt Lysander (Felix Buckhardt), soll aber nach ihres Vaters Willen Demetrius (Ben Pamperrien) heiraten. Der erzürnte Vater wendet sich an den Herzog von Athen und beide setzen Hermia unter Druck. Es folgen Verzweiflung, Liebesschwüre und schließlich die geplante Flucht des Paares aus dem Machtbereich des Herzogs von Athen. Verwoben mit dieser Geschichte ist das Unglück Helenas (Lisa Engel), sie liebt Demetrius, der sie, die ihm wie ein Hündchen nachläuft, wiederum verachtet. Schön stellen beide Schauspieler die unheilvolle Dynamik einer solchen Beziehung dar: Die in einer Spirale von Minderwertigkeitsgefühlen, Liebe und Neid auf die Konkurrentin gefangene Helena kann nicht von Demetrius lassen. Je mehr er sie ablehnt, desto weiter erniedrigt sie sich, nur um in seiner Nähe zu sein. Verzweifelt rekapituliert Helena die Situation, in der sich die Liebenden in diesem Stück befinden: Getragen und erhoben von ihren starken Gefühlen und deshalb ohne Sinn für die Realität stolpern die Verliebten durch die Welt: „blind, aber Flügel“.

Und diese Liebesverwirrung wird in Shakespeares Sommernachtstraum noch durch das Element des Märchenhaften potenziert. Denn die zweite Handlungsebene des Stücks ist das Reich des Elfenkönigs Oberon (Florian Frank) und seiner Gattin Titania (Teresa Ebert). Und auch hier herrscht eine Liebesunstimmigkeit, wenn auch eine viel banalere als in der Menschenwelt. Beide streiten um einen Knaben, den jeder auf seine Weise erziehen will. Nun, in der Elfenwelt greift man in solchen Fällen zur Zauberei, und so kommt der Kobold Puck (Daniel Augustin) ins Spiel, der Adjutant und Hofnarr Oberons. Er soll Titania bestrafen und demütigen: Durch die Kraft einer Zauberblume soll sie in Liebe zu einem ihr unangemessenen Wesen entbrennen. Und Puck erfüllt seine Aufgabe auf seine Weise. Leichtfüßig treibt er seinen Schabernack mit Menschen und Elfen - natürlich wieder in Liebesdingen. Er lässt mit Hilfe der Zauberblume Lysander und Demetrius Helena lieben, welche nicht weiß, wie ihr geschieht. Dagegen liebt keiner mehr die schöne Hermia, welche auch nicht weiß, wie ihr geschieht. Hass und Liebe erscheinen nun vollends austauschbar, Willkür herrscht in Gefühlsdingen. Verwirrt irren die verzauberten Menschen und Elfen durch ihre Welt, wieder blind, wieder Flügel, nur dieses Mal in anderer Konstellation. Und gleichsam als Spitze des Narrenspiels liebt die Feenkönigin einen in einen Esel verwandelten Handwerker und lobt todernst die Vorzüge, die es bietet, in ein solches Tier verliebt zu sein.

Nun, es ist eine Komödie, sie geht gut aus. Am Schluss rückt Puck, der Kobold, die Welt mit einem Augenzwinkern wieder zurecht. Jeder liebt wieder den, den er lieben soll, harmonisch begeht man die Hochzeit des Herzogspaares und amüsiert sich bei einem Theaterstück einer Handwerkergruppe aus Athen. Diese möchte unter der Leitung von Peter Squenz (Moritz Wegner) die tragische Liebesgeschichte von Pyramus und Thisbe (Tobias Veh) zum Besten geben. Es gelingt ihnen nicht und die komisch-groteske Farce, die dabei herauskommt, sorgt für viel Begeisterung im Publikum. Gerade der in seiner Rolle völlig aufgehende Weber Zettel (Philipp Müller), der trotz seiner niederen Herkunft mit allen Allüren eines echten Bühnenstars auftritt, amüsiert hier und in anderen Szenen die Zuschauer mit seinen Übertreibungen und seiner Unbeholfenheit. Dass er den glücklich wieder zusammengekommenen Liebespaaren einen Spiegel vorhält, merken diese nicht, denn für sie war, daran wollen sie sich festhalten, was vorher geschah, nur - ein Sommernachtstraum.

Mit großem Engagement hat die Schulspielgruppe diese märchenhafte Liebeskomödie gelungen umgesetzt. Das Komische und das Verzweifelte der Situation, in der sich die Liebenden in diesem Stück befinden, und die Doppelbödigkeit, die daraus resultiert, wurde von den jungen Schauspielern gut umgesetzt. Mit ihrer witzig-frischen Interpretation gaben sie dem Stück neue und interessante Akzente. Dies geschah auch durch die Tanzeinlagen, für deren Choreographie Iris Ruppert verantwortlich war. So präsentierten die Handwerker bei ihrem ersten Auftritt in zünftigen Holzfällerhemden mit Elvistolle eine Halbstarken-Rock `n Roll-Performance auf Bierkästen. Überzeugend war auch der Tanz, mit dem die Elfen das Publikum in ihre Welt einführten: Nebel, Strotoskop und Technomusik begleiteten diese Einlage und verdeutlichten das Zauberisch-Fremde und Geheimnisvolle dieser Märchenwelt.

Geschickt und professionell umgesetzt waren auch alle anderen Bereiche, die zu einem guten Bühnenstück gehören. Die Leistungen reichten hier von den Frisuren, die vom Friseur Heer aus Ochsenfurt mitgestaltet wurden, über die Maske, die es schaffte, die jungen Schauspieler in Elfen und Kobolde zu verwandeln, bis hin zum Bühnenbild, das mit Hilfe der Gärtnerei Ulsamer einen zauberhaften Feenwald darstellte und von der Technik unter der Leitung von Andre Gans gelungen ausgeleuchtet wurde. Insgesamt brachte die Schulspielgruppe eine Inszenierung auf die Bühne, die einerseits dem klassischen Text verpflichtet blieb, aber andererseits auch zeigte, dass Shakespeare sehr wohl auch zeitgemäß gespielt werden kann.

Am Ende der Premierenaufführung bedankte sich OStD Toni Gernert bei Dr. Roland Kofer und seine glänzend eingestellten Schauspielertruppe für diese faszinierende Aufführung mit einem kleinen Präsent. Die Schulspielgruppe 2 überreichte ihrem Regisseur Dr. Kofer als Dank für seine begeisterndes Engagement während der langen Probenphase einen Korb gefüllt mit fränkischen Spezialitäten.

Katja Schulte-Bockholt

Plakat

Weitere Bilder