Internet und Erziehung im Fokus – Jugendkreistag 2010

„Gefährdet das Internet die Jugend?“ und „Erfüllen die Familien noch ihren Erziehungsauftrag?“ – so lauteten die aktuellen und interessanten Themen des diesjährigen Kreisjugendtages. Diese Veranstaltung findet jedes Jahr im großen Sitzungssaal im Landratsamt Kitzingen statt. Schülerinnen und Schüler der 9. und 10. Klassen aller Schulen im Landkreis sind aufgefordert, im Vorfeld Beiträge zu erarbeiten, am Tag selbst dann ihre Thesen zu präsentieren, Forderungen aufzustellen und anschließend in einer Diskussion zu einem demokratischen Beschluss zu kommen.

Dominik Bauer, Philipp Belschner, Johannes Oehler, Dario Trigilia, Niklas Moser und Agnes Kühne aus der 10d vertraten das Gymnasium Marktbreit beim Jugendkreistag 2010. Die Arbeitsgruppe beschäftigte sich zuhause und im Sozialkundeunterricht mit der Frage nach der Gefährdung der Jugend durch das Internet. Sie betonten in ihrem Vortrag vor allem die vielen Chancen, die dieses Medium eröffnet, ohne allerdings die Augen vor den durchaus vorhandenen Gefahren zu verschließen. In ihrem Fazit sahen die Jugendlichen insgesamt keine allzu große Gefährdung durch das Internet, da alle, die mit den neuen Medien aufwachsen - man nennt sie auch die „digital natives“ - über eine nicht zu unterschätzende Kompetenz im Umgang damit verfügen und so Gefahren recht sicher umschiffen können, auch wenn das die skeptische Generation der „digital immigrants“ nicht so einfach glauben will.

Diese Thesen blieben allerdings im Kreis der anderen Teilnehmer des Jugendkreistags nicht unumstritten. Und so mussten die Jugendlichen aus Marktbreit insbesondere ihren ersten Beschlussantrag („freier Zugang zum Internet auch in der Schule“) engagiert verteidigen, um dann festzustellen, dass er letztlich von den anwesenden Jugendlichen dennoch abgelehnt wurde. Der zweite Vorschlag der Arbeitsgruppe, der die Auslobung eines Preises für vorbildliche Internet-Projekte an den Schulen im Landkreis Kitzingen vorsieht, wurde jedoch mit großer Mehrheit angenommen und soll demnächst in den Kreistag eingebracht werden. Die von einigen anderen Schulen geforderte verbindliche Einführung eines Internet-Führerscheins für alle Unterstufenschüler wurde im Übrigen als überflüssig und zu zeitraubend eingestuft und fand deswegen keine Zustimmung bei der Mehrheit der Jugendkreisräte.

Im zweiten Teil der Sitzung ging es um die Familie und ihre Erziehungsleistung. Fünf Schulen beleuchteten diese Problematik von vielen Seiten und erarbeiteten verschiedene Vorschläge, wie man die Familie bei der Erziehung unterstützen könnte, z. B. durch vermehrte Beratungsangebote für überforderte Eltern, bessere Betreuungsangebote für kleinere Kinder und mehr Rücksicht auf Eltern am Arbeitsplatz.

Frau Tamara Bischof, die als Landrätin die Jugendkreistagssitzung leitete, freute sich über die fundierten Beiträge der Schülerinnen und Schüler, aber insbesondere über die kontroverse und dennoch disziplinierte Diskussion.

Der Jugendkreistag zeigt im kleinen Rahmen, wie Politik funktionieren kann, wenn alle inhaltlich gut vorbereitet sind und eine offene Diskussionsatmosphäre besteht.

Gabriele Wollmann

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