Aus dem Alltag der DDR

Der mit einem Oskar ausgezeichnete Film „Das Leben der Anderen“ hat vielen Kinobesuchern einen Einblick in die Machenschaften der Stasi gegeben. War das aber das normale Leben in der DDR? Wie sah der Alltag aus? Stimmen all die Gerüchte und fest gefügten Ansichten, die über den östlichen Teil Deutschlands verbreitet wurden und werden? Die Klasse 10d hatte im Rahmen des Geschichtsunterrichts die Gelegenheit, diese Fragen zwei Zeitzeugen zu stellen. Das Ehepaar Pischl, heute wohnhaft in Iphofen, hatte sich bereit erklärt, den Schülerinnen und Schülern als Gesprächspartner zur Verfügung zu stehen. Beide lebten bis zur Wende in Leipzig, wo sie auch an den Montagsdemonstrationen teilnahmen. Als Rentner zogen sie dann in den Westen. Sie berichteten über die Arbeitswelt in der DDR, die für beide nicht einfach war, weil sie im akademischen Bereich arbeiteten, aber nicht in der SED aktiv sein wollten und zudem noch „Westverwandtschaft“ hatten. Über die Rolle der Frau in der DDR wurde ebenso gesprochen wie über private Fluchtpläne, die insbesondere in der Zeit unmittelbar nach dem Mauerfall geschmiedet, aber nie ausgeführt wurden. Sehr nachdenklich machten die Schilderungen der beschränkten Welt der DDR-Bürger: Die Pischls reisten gerne, aber die gesamte westliche Welt war ihnen verschlossen. Auch in die „Bruderländer“ des Ostens konnten Reisen, wie sie berichteten, jederzeit verweigert werden. Die Schülerinnen und Schüler interessierten sich auch für aktuelle Anknüpfungspunkte, z. B. was Herr und Frau Pischl als ehemalige DDR-Bürger von der Partei „Die Linke“ halten und wie von ihnen die Arbeit der aus Ostdeutschland stammenden Bundeskanzlerin bewertet wird.

Die informative Stunde ging schnell vorbei, nicht aber ohne Herrn Pischls abschließendem Aufruf an die Schülerinnen und Schüler, für die Werte Demokratie und Freiheit jederzeit einzutreten.

Gabriele Wollmann