Roboter bauen in Marktbreit Brücken

So titelte die Kitzinger Zeitung am 31.03.09 und traf damit in mehrfacher Hinsicht ins Schwarze.

Auch wenn sie vormittags noch die Grundschule Ochsenfurt besuchen, nehmen 28 Schülerinnen und Schüler bereits in der 4. Klasse an einem Roboter-Projekt des Gymnasiums Marktbreit teil. Dass derart viele Grundschüler am Nachmittag freiwillig noch einmal in die Schule gehen wollen, überraschte alle: Damit hatte das Projekt schon seinen ersten Erfolg eingefahren, bevor es überhaupt gestartet war. Schließlich soll es den Kindern Übertrittsängste nehmen und Vorfreude auf eine höhere Schule schaffen. Darüber hinaus vermittelt der Umgang mit den Lego-Robotern spielerisch Technik- und IT-Kenntnisse, so dass auch auf diesen Gebieten ganz nebenbei Berührungsängste überwunden werden.

Ermöglicht wurde dieses Projekt durch das gemeinsame Engagement von vielen: Der Ministerialbeauftragte für die Gymnasien in Unterfranken Rudolf Schmitt und die Schulamtsdirektorin von Kitzingen Irma Amrehn bemühen sich seit längerem um eine Annäherung der beiden Schularten. Der stellvertretende Schulleiter des Gymnasiums in Marktbreit Armin Forster hatte die Idee. Der Inhaber der Firma Pfeuffer Kühltechnik in Marktsteft Rainer Pfeuffer spendete 3000 Euro, mit denen zehn neue Roboterkästen angeschafft werden konnten. Der Leiter der Roboter-Werkstatt Matthias Katzenberger kümmert sich gemeinsam mit Dr. Ullrich Groh und Roboter-erfahrenen Schülern um Vorbereitung und Durchführung des Projekts. Der Landrätin des Landkreises Kitzingen Tamara Bischof liegt eine Stärkung der technischen Bildung am Herzen, da sie die Voraussetzung für zahlreiche zukunftsfähige Berufe darstellt. Die Schulleitung sowie die Klassenlehrerinnen und Klassenlehrer der Grundschule Ochsenfurt unterstützen das Projekt in vorzüglicher Zusammenarbeit mit dem Gymnasium.

Gemeinsam mit der Vorsitzenden des Elternbeirats Ilke Alsheimer und Vertretern der örtlichen Presse trafen sich alleBeteiligten am frühen Nachmittag des 30.03.09 zum Start des Projekts am Gymnasium Marktbreit.

Nach der offiziellen Begrüßung führten die Schüler des derzeitigen Anfängerkurses (zumeist aus der 6. Klasse des Gymnasiums) den Viertklässlern ihre Roboter vor: Beim Tanzwettbewerb traten sechs Teams mit ihren Robotern gegeneinander an. Sie hatten sich jeweils ein Musikstück ausgesucht, passend dazu einen Roboter gebaut und so programmiert, dass er sich zur Musik bewegt, also „tanzt“. Dass das gar nicht so einfach ist, konnte die aus zehn Grundschülern und den prominenten Gästen zusammengesetzte Jury schnell erkennen: Einige Teams kämpften mit dem CD-Player und ihrem Roboter um einen guten Start der Tanzvorführung. Zu bewerten waren Aussehen der Roboter, Übereinstimmung von Musik und Bewegung, Variation der Bewegungen sowie der künstlerische Gesamteindruck. Am Ende siegten Anton Nagl und Florian Corell mit ihrer Choreographiezu „Bicycle“ (Queen) knapp vor Christoph Hoyer und Julian Seuffert unter dem Applaus von Jury und Zuschauern.

Nach einem Gruppenfoto ging es zum Physiksaal. Hier bildeten die Grundschüler Kleingruppen und durften die nagelneuen Roboterkästen der neuesten Lego-Robotergeneration auspacken. Der erste Arbeitsauftrag lautete: Baut nach der beiliegenden Anleitung den Roboter „Tribot“. Mit großer Begeisterung gingen die Grundschüler ans Werk und schufen bis zum Ende der Doppelstunde alle (bis auf Kleinigkeiten, die noch fehlten) ihren ersten Roboter. Für viele von ihnen ging die erste Doppelstunde viel zu schnell vorbei und nun freuen sie sich schon auf den Montag nach den Osterferien, wenn sie wieder ins Gymnasium kommen.

Dann werden die Grundschüler unter der Anleitung von erfahrenen Gymnasiasten die Software kennen lernen, mit der sie den Roboter programmieren können. Auch dies wird sofort angewendet: Der Roboter soll eine ganze Reihe von Bewegungen durchführen. Erst wenn sie diese Aufgaben erfüllt haben, dürfen sie sich auf ihren ersten Wettbewerb vorbereiten: Ihr Roboter soll möglichst schnell und effektiv so viele Bälle wie möglich von einer vorgegebenen Fläche räumen.

Wer das am besten machen wird, vermag heute noch keiner zu sagen, aber eines stellte der Reporter der Kitzinger Zeitung bereits nach der ersten Doppelstunde fest: „Angst vor der neuen Schule hatte da längst niemand mehr“!

Matthias Katzenberger

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