Englische Konversation – ein Experiment

Der englische Konversationskurs in der K12 war ein Experiment in zweierlei Hinsicht. Zum ersten Mal wurde eine solche Veranstaltung am Gymnasium Marktbreit angeboten. Das erklärt, warum sich nur acht wagemutige Teilnehmer aus der 12. Jahrgangsstufe anmeldeten. Und für den Kursleiter bedeutete es, Neuland zu betreten und ein attraktives Programm aufzustellen, zumals es für solche Kurse keine Lehrplanvorgaben gibt. Darin lag allerdings nicht nur eine Herausforderung, sondern auch die Chance, aktuelle Themen, die das Schülerinteresse treffen, in den Mittelpunkt zu stellen. Eine Steilvorlage bot der amerikanische Präsidentschaftswahlkampf in seiner heißen Phase. Anhand der englischsprachigen Weltpresse konnten die Kandidaten, ihre Strategien und politischen Standpunkte eingehend beleuchtet werden. Weitere Schwerpunkte boten die Finanz- und Wirtschaftskrise und ihre Auswirkungen auf die amerikanische Autoindustrie, aber auch auf den Alltag der Amerikaner.

Neben den aktuellen Ereignissen waren übergeordnete Probleme aus aller Welt in der Disussion, zum Beispiel das extrem hohe Risiko afrikanischer Frauen, bei der Geburt eines Kindes zu sterben, die erschreckend hohe Rate von Schwangerschaften unter amerikanischen Teenagern, im Zusammenhang damit der Streit in den USA über sexuelle Aufklärung an den Schulen, die Entwicklung von persönlichen Gentests zur Vorhersage des eigenen Krankheitsrisikos, ferner das Bemühen um alternative Energiequellen wie die angedachte Nutzung der Sonneneinstrahlung in der Sahara zur Stromerzeugung für Europa, die Problematik von Gezeitenkraftwerken oder die Entwicklung von Biotreibstoffen.

Der Überblick ließe sich noch fortsetzen. Von besonderem Interesse ist jedoch, welche Anforderungen auf die Kursteilnehmer zukamen und welchen persönlichen Nutzen sie letztlich aus dem Kursangebot ziehen konnten. Neben der vorbereitenden Lektüre anspruchsvoller englischsprachiger Texte zu den genannten Themenbereichen und der Erarbeitung des entsprechenden Fachvokabulars stand zunächst die offene Diskussion über das Gelesene im Vordergrund. In den jeweils zwei Wochenstunden hatten alle Teilnehmer ausführlich Gelegenheit, ihre Sprechfertigkeit zu erproben und im Laufe der Monate deutlich zu steigern. Dazu verhalf ihnen auch die ständige Erweiterung ihres auf das jeweilige Thema bezogenen Wortschatzes, ferner die Entwicklung von Redestrategien, die besonders für die Einübung der Debatte nach englischen Vorbild erforderlich waren. Darüber hinaus war zu selbst gewählten Fragestellungen eine freie Kurzrede zu halten, um die rhetorischen Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Schließlich galt es längere journalistische Texte selbstständig aufzubereiten, in einem Referat dem Kurs vorzustellen und im Anschluss eine Diskussion über die Inhalte mit den Zuhörern zu führen. Dank des großen Engagements aller Kursteilnehmer konnte der Kursleiter immer mehr die Rolle des Moderators übernehmen oder in die eines gleichberechtigten Diskussions- oder Debattenteilnehmers schlüpfen.

Das Resümee, das sich aus dem ersten erfolgreichen Jahr des Experiments „Englische Konversation“ ziehen lässt, ist schnell auf den Punkt gebracht. Es hat bislang allen Spaß gemacht, den Kursteilnehmern wie auch dem Kursleiter. Die sprachliche Kompetenz der Schülerinnen und Schüler hat deutlich zugenommen, Einblicke in internationale Probleme und aktuelle Fragestellungen konnten vermittelt bzw. vertieft werden, und schließlich freuen sich die acht Wagemutigen und ihr Lehrer auf eine Weiterführung des Kurses in der K13, vielleicht mit zusätzlichen Teilnehmern, die inzwischen neugierig geworden sind.

Bernd-Uwe Groß