Fahrt der neunten Klassen nach Dachau

Schon um sieben Uhr morgens brachen am letzten Freitag etwa hundert Schülerinnen und Schüler der neunten Klassen zusammen mit ihren Geschichtslehrern zu einer Tagesfahrt in die Konzentrationslager-Gedenkstätte Dachau auf. Da an diesem Tag alle anderen bayerischen Schüler ihre Zeugnisse erhielten, war die Gedenkstätte nicht allzu stark von Schulklassen überlaufen, sodass die Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Marktbreit ideale Besichtigungsbedingungen hatten.

Der erste Programmpunkt war die Begegnung mit dem Konzentrationslager selbst. Nachdem die Jugendlichen in den Wochen zuvor im Geschichtsunterricht auf die Materie vorbereitet worden waren, hatten sie nun die Aufgabe, sich anhand von Fragebögen das Gelände und die Ausstellung der Gedenkstätte selbständig zu erschließen. Sie recherchierten in Kleingruppen, unter welchen Bedingungen die Häftlinge in Dachau während des Nationalsozialismus leben, arbeiten und sterben mussten. Unter anderem setzten sie sich mit den Haftbedingungen im so genannten Bunker auseinander, vollzogen das System der SS in den Konzentrationslagern nach und beschäftigten sich mit den pseudomedizinischen Experimenten, denen manche Häftlinge ausgesetzt wurden.

Nach dem gemeinsamen Mittagessen fand im Jugendgästehaus Dachau der zweite Programmpunkt statt. Die Jugendlichen trafen mit Max Mannheimer zusammen, der von den Nationalsozialisten in die Konzentrations- und Vernichtungslager Theresienstadt, Auschwitz und Dachau verschleppt worden war. Er führte mit den Schülerinnen und Schülern ein Gespräch, in dem er über die Entwicklung von der Ausgrenzung der Juden bis hin zu ihrer Vernichtung informierte und sein eigenes Schicksal als Opfer dieser Entrechtungs- und Vernichtungsmaschinerie darstellte. Max Mannheimer, 1920 in der Tschechoslowakei geboren, nach Theresienstadt, Auschwitz, ins zerstörte Warschauer Ghetto und letztendlich nach Dachau deportiert, verlor bis auf einen Bruder seine ganze Familie in den Gaskammern von Auschwitz. Und dennoch ist es ihm wichtig, im Rahmen seiner unermüdlichen Vorträge zu diesem Thema nicht als Ankläger oder Richter verstanden zu werden. Die ernsthafte und warmherzige Art, in der er mit seinen jungen Zuhörern sprach, nahm diese sehr stark für ihn ein und bewirkte, dass ein echtes Gespräch zwischen ihm als Zeitzeugen und den Jugendlichen als Angehörigen der dritten Generation nach den Ereignissen des Holocausts stattfand.

Somit hatten die Schülerinnen und Schüler an diesem Tag die Möglichkeit, einerseits eine Stätte der nationalsozialistischen Verbrechen kennen zu lernen und andererseits ihre dabei entstehenden Fragen an jemanden zu richten, der die Grausamkeiten der Lager als junger Mann erleben musste. Max Mannheimer beantwortete diese Fragen wie schon seit vielen Jahren engagiert, beeindruckend und in hohem Maße auf seine Zuhörer eingehend.

Katja Schulte-Bockholt

Weitere Bilder