Besuch in Tschechien

Austausch des Gymnasiums Marktbreit mit seiner Partnerschule im tschechischen Zábřeh

„Dobrư den!“ heißt „Guten Tag“, so steht es in dem kleinen deutsch-tschechischen Taschenwörterbuch, das die 17 Schülerinnen und Schüler aus den 10. Klassen des Gymnasiums Marktbreit während der Zugfahrt in die Tschechische Republik eifrig studierten. Sie gehörten zur dritten Schülergruppe, die das Gymnasium Zábřeh, die Partnerschule des Gymnasiums Marktbreit, besuchen.

Bei Herbstwetter wie aus dem Märchenbuch ging es mit dem Zug durch den bayerischen Wald, den Böhmerwald, dann entlang an der Moldau durch Prag bis ins Herz Mährens. Dort, am Fuße des Altvatergebirges liegt Zábřeh und dort wurden die Schülerinnen und die beiden begleitenden Lehrkräfte Doris Jenetzky und Katja Schulte-Bockholt nach der 10-stündigen Reise aufs Herzlichste von den tschechischen Schülern, ihren Eltern sowie den beiden Lehrkräften Ivana Kezniklová und Ilona Kadlezová begrüßt. Seit mehreren Jahren schon organisieren die vier Lehrerinnen dieses tschechisch-deutsche Austauschprojekt, das die Schüler beider Nachbarländer einander näher bringen soll.

Natürlich war es den deutschen Schülern ein wenig bange, als sie aus dem Zug ausstiegen um ihre tschechischen Gastfamilien zu treffen. Aber die Nervosität legte sich schnell, denn die tschechischen Familien begrüßte ihre deutschen Gastschüler sehr herzlich und auch die Verständigung auf Deutsch und Englisch klappte sofort. Am nächsten Tag folgte dann die offizielle Begrüßung. Sowohl Martin Paclík, der Schulleiter des Gymnasiums Zábřeh als auch der Bürgermeister Zdeněk Kolář äußerten ihre Freude über den Besuch der deutschen Schülergruppe und verliehen dem Wunsch nach einer festen und langjährigen Partnerschaft beider Schulen Ausdruck. Am Ende des Empfangs im Rathaus durften sich alle Schüler in das Gästebuch der Stadt eintragen.

In der folgenden Woche lernten die deutschen Schüler die Tschechische Republik und ihre Bewohner von der besten Seite kennen. Sie besuchten an zwei Tagen mit ihren tschechischen Partnerschülern den Unterricht am Gymnasium Zábřeh und konnten einen Einblick in den Unterricht an einer tschechischen Schule gewinnen. Außerdem lernten sie Land und Leute durch einige sehr interessante Ausflüge kennen. So besuchten sie die Brauerei „Holba“ in Hanušowice und die Papiermühle in Velké Losiny. Die Führungen in beiden Unternehmen vermittelten den deutschen Schülern einen wirklich interessanten Einblick in traditionsreiche tschechische Wirtschaftsbetriebe. In der Papiermühle aus dem 16. Jahrhundert wird noch heute das Papier in der althergebrachten Art und Weise geschöpft und dient hohen Staatsmännern, z. B. Václav Havel, dem ersten Präsidenten der tschechischen Republik, für repräsentative Schreiben. Sehr beeindruckend war auch die Besichtigung des Pumpspeicherwerks Dlouhé Stráně. Es ist das größte Pumpspeicherwerk des tschechischen Republik und liegt mitten im Altvatergebirge. Das Oberbecken, welches das Unterbecken mit Wasser versorgt, erreicht an seiner Dammkrone eine Höhe von 1350 Meter. Dort genossen die Schüler einen herrlichen Blick auf das Naturschutzgebiet und den den Praděd (deutsch: Altvater), die höchste Erhebung dieses Gebirges. Außerdem besuchten die Schüler noch die altehrwürdige Barockstadt Olomouc, welche nach Prag die meisten historischen Sehenswürdigkeiten der tschechischen Republik bietet. Hier war der Höhepunkt eine Besichtigung der achtgrößten Orgel Europas. Sie steht in der St.-Mauritz-Kirche und besitzt nicht weniger als 10400 Orgelpfeifen. Prof. Anton Schindler zeigte den Schülern die Funktionsweise der vom berühmten Orgelbauer Michael Engler in der Barockzeit gebauten Orgel. Anschließend gab er eine Kostprobe der Klangfülle dieser Orgel, die alle Schüler und Lehrer sehr beeindruckte. Den Abschluss und zugleich den Höhepunkt des Programms stellte auch dieses Jahr der Besuch in Prag dar. Tschechische und deutsche Schüler fuhren gemeinsam in die goldene Stadt und besichtigten bei strahlendem Herbstwetter ihre Sehenswürdigkeiten.

Auch dieses Jahr ist die Begegnung der Schüler aus Tschechien und Deutschland wieder ein großer Erfolg gewesen. Die deutschen Schüler haben sehr viel an Kunst, Kultur und Lebensweise ihrer tschechischen Nachbarn kennen und schätzen gelernt. Und außerdem haben sie neue Freunde gewonnen. Und so fiel der Abschied der beiden Gruppen am Prager Hauptbahnhof zwar schwer, aber zum Glück ist schon ausgemacht: Im Juni, wenn die tschechischen Schüler nach Marktbreit reisen werden, sehen sich alle wieder.

Katja Schulte-Bockholt

Bildgalerie