Schule in Literatur und Musik

Ein alter Schreibtisch vor einer grünen Wandtafel voller Kritzeleien, daneben eine große Wandkarte, wie sie seit Generationen in den Klassenzimmern der Schulen hängt – das war die Kulisse der kleinen Bühne, auf der Stefan Clobes und Josef Nusko ihren literarisch-musikalischen Abend gestalteten. In der Mensa des Gymnasiums Marktbreit fand er statt und über die Schule sollte er auch handeln, über die Schule, wie sie in der Literatur beschrieben und in der Musik besungen wurde.

Es handelte sich hierbei um eine Veranstaltung, die im Rahmen des Deutschunterrichts in der 13. Jahrgangsstufe stattfand und zugleich ein Anliegen des bayerischen Kultusministeriums aufgriff: die Leseförderung. Sowohl das Interesse am Lesen als auch die Lesekompetenz soll bei den Schülern gefördert und erweitert werden.

Um zu zeigen, wie unterhaltend, wie interessant und wie erhellend das Lesen sein kann, las Stefan Clobes eine der berühmtesten Passagen aus Thomas Manns Buddenbrooks vor und Josef Nusko umrahmte die einzelnen Leseabschnitte mit Liedern über die Schule. Text und Lieder handelten von dem, was jeder schon in mehr oder weniger schlimmer Ausprägung erfahren hat. Sie handelten von Pädagogen, die sich auf dem manchmal schmalen Grad zwischen origineller Wunderlichkeit und grausamer Ungerechtigkeit bewegen, und sie handelten von Schülern, die sich im System Schule zurechtfinden müssen und dies nicht können. Hanno Buddenbrook ist wohl eine der prominentesten dieser Schülerfiguren. Ihm, dem Sensiblen, dem künstlerisch Begabten mit der schwachen Konstitution ist die Schule verhasst. Auf Grund seiner mangelnden Ordnung und Disziplin ist Hanno schon am Montag Morgen völlig erschöpft, wenn er zu spät in der Schule ankommt. Und dann gilt es, einen ganzen Schultag zu überstehen, unvorbereitet, den einander abwechselnden Lehrerfiguren ausgeliefert, von Angst geschüttelt, von Mitschülern umgeben, die sich auf die eine oder andere Weise arrangiert haben mit der Pflicht, dem Zwang und der Angst.

Dazwischen sang Josef Nusko sehr gut ausgewählte Beiträge von deutschen Liedermachern zum gleichen Thema. Er sang von den Lehrern und den Eltern, die mit ihren Erwartungen die Kinderseelen schwer belasteten, aber er sang auch von den Lichtblicken, dem Menschlichen innerhalb der Bildungsmaschinerie.

Es war gut gelesen, gut gesungen, man merkte es an der konzentrierten Stille der Zuhörer in der dunklen, nur mit Kerzen erhellten Mensa. Man schmunzelte hin und wieder, aber die klamme Angst der Kinderseelen, die da – wie es schien völlig ohne Not – gebeugt und gebrochen wurden, kam in den Beiträgen der beiden Interpreten sehr gut zum Ausdruck.

Katja Schulte-Bockholt

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