Einmal Minister sein – Lust oder Last?

Marktbreiter Gymnasiasten lenken für drei Tage die Geschicke der Welt

Auf das internationale Parkett der Außen- und Sicherheitspolitik begab sich der Grundkurs Sozialkunde der K12 des Gymnasiums Marktbreit. Im Rahmen eines dreitägigen Seminars im Haus Benediktushöhe in Retzbach konnten sie zusammen mit einer 24-köpfigen Schülergruppe von der Dethloff-Sprachschule aus dem polnischen Lublin an einem POL&IS-Planspiel teilnehmen.

Diese von der Universität Erlangen entwickelte und an realen Verhältnissen internationaler Politik orientierte Simulation machte die Teilnehmer zu Regierungschefs, Wirtschaftsministern und Staatsministern bestimmter Regionen der Welt oder zu UN-Vorsitzenden, Weltbankchefs bzw. zu Vertretern der NGOs. Auch die Presse war in diesem Spiel präsent. Nach einer Informationsphase, in der sich die Spieler mit den ihnen zugefallenen Regionen und Rollen vertraut machten, wurde das Spiel gestartet. In den Gruppen arbeiteten deutsche und polnische Jugendliche zusammen. Die anfänglichen Sprachschwierigkeiten verloren sich rasch. Vor allem die jungen Polen fassten im Laufe der Zeit immer mehr Mut und standen schon am zweiten Tag wie selbstverständlich vor der „Vollversammlung“ und trugen Bericht und Pläne vor. Kapitänleutnant Andreas Friedl und Hauptmann Maximilian von Reben leiteten als Jugendoffiziere der Bundeswehr das komplexe Spiel und halfen den Teilnehmern, die Vielzahl an Regeln und Formularen zu durchschauen. Ziel der Regionenvertreter war es, in ihren Ländern erfolgreich zu wirtschaften und sie auf der internationalen Bühne politisch zu stärken. Natürlich hatten die Gruppen aus Ozeanien oder Südamerika dabei ganz andere Voraussetzungen als die Vertreter Chinas oder Nordamerikas. Anders als beim bekannten Strategiespiel „Risiko“ geht es nicht darum, möglichst große Gebiete zu erobern. Aber strategische Überlegungen und Rüstung gehören auch zum politischen Handeln, das bei POL&IS von Bedeutung ist. Eine große Rolle spielten zudem der Umweltschutz in einer globalisierten Welt und die Menschenrechtsproblematik, weshalb die Vertreter von Greenpeace bzw. Amnesty International bei den NGO-Aktivisten, viel zu tun hatten. Besonders lebhaft ging es immer an der „Börse“ der Weltbank zu. Drei POL&IS-Jahre (so heißen die Spielrunden) spielten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit je ca. 7 Stunden am Tag, und auch in der knappen Freizeit wurden nicht selten noch bilaterale Verträge besprochen und Investitionsvorhaben diskutiert. Ganz wie in der großen Politik waren die gemeinsamen Mahlzeiten Orte der „nationalen Annäherung“.

An einem Abend hatten die Schülerinnen und Schüler auch Gelegenheit, sich mit der Problematik der Auslandseinsätze der Bundeswehr zu beschäftigen. Mit aktuellen Filmen und der Möglichkeit Fragen zu stellen versetzte Kapitänleutnant Friedl die Jugendlichen in die Lage, gut informiert in eine Diskussion um Sinn und Nutzen der Auslandseinsätze einzusteigen.

Das Seminar war sowohl inhaltlich als auch sozial ein Gewinn für die deutschen wie für die polnischen Teilnehmer. Die polnische Gruppe hatte am Tag nach dem Ende des Seminars noch die Gelegenheit, einigen Stunden im Unterricht am Gymnasium Marktbreit zu hospitieren, um ihr Bild von Deutschland und dem Leben ihrer neu gewonnenen deutschen Freunde abzurunden.

Gabriele Wollmann

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