Marktbreiter Lateinschüler auf den Spuren der Lateinschule

Eine „Glanzepoche Marktbreits“ nennt der Klassische Philologe Dr. Hans-Ludwig Oertel die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts in seinem Buch „Chronogramme in lateinischen Inschriften“, gibt es doch in der Tat keine vergleichbare Stadt, in der man ähnlich viele derartige Aufschriften – 16 in Marktbreit und Umgebung – finden könnte. Es handelt sich hierbei um lateinische Verse, in denen hervorgehobene römische Zahlenbuchstaben das Jahr angeben, in dem sie verfasst wurden bzw. in dem ein bestimmtes Ereignis stattfand. So lassen sich an einigen historischen Häusern und in der evangelischen Kirche Marktbreits, ebenso in der Rathausdiele und auf Grabsteinen des Marktbreiter Friedhofs, lateinische Hexameter und Pentameter aus oben erwähnter Zeitepoche finden, als die lateinische Sprache, gefördert durch die hiesige Lateinschule, einen sehr hohen Stellenwert genoss.

Chronogramm am Haus zur Groe in Marktbreit

Mit den Versmaßen Hexameter und Pentameter hatten sich auch die Lateinschüler der 11. Jahrgangsstufe des Gymnasiums Marktbreits im abgelaufenen Schuljahr befasst, vor allem bei der Lektüre der bekannten Dichter Catull und Martial. Dass ihre Schulheimatstadt Marktbreit jedoch an öffentlichen Stellen so vielfältiges poetisches Lektürematerial bietet, das wussten die wenigsten Schülerinnen und Schüler. So machten sie sich, geführt von ihren Lateinlehrern Frau Heilmann und Herrn Nusko, am Ende des Schuljahres auf zur Exkursion durch die Stadt, skandierten und übersetzten die Inschriften und erfassten durch genaues Hinsehen die Jahreszahl deren Entstehung. Memores sitis! so der Leitgedanke von Herrn Oertel in seinem Chronogrammführer; unter diesem Aspekt erkannten die Gymnasiasten, dass Marktbreit eine lange lateinische Tradition aufweist.

Josef Nusko