Planspiel macht die EU lebendig

Europa feiert 50. Geburtstag – wir gratulieren und haben schon einmal etwas vorgefeiert, und zwar mit einem ganzen Tag zum Thema Europapolitik in der 10b.

Alles, was man über die EU in den Medien hört, klingt kompliziert. Wer darf was und wie funktionieren die einzelnen Organe dieser Gemeinschaft? Wie kommt man zu Beschlüssen, wenn 27 Meinungen unter einen Hut gebracht werden müssen? Mit diesen Problemen beschäftigte sich die Klasse 10b im Rahmen des Sozialkundeunterrichts unter der engagierten und motivierenden Anleitung von Michel Horelt und Cecilia Grufman, Mitarbeitern des „Centrums für angewandte Politikforschung“ an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Das Planspiel, das sie mit den Schülern durchführten, soll den Schülern Kenntnisse über die EU vermitteln und den Politikbetrieb verständlich machen. Damit das Kennenlernen der EU-Institutionen nicht im luftleeren Raum stattfindet, wird dabei stets ein aktuelles Thema in den Mittelpunkt gestellt. In diesem Fall war es die komplexe Fragestellung, wie man in der EU eine Reduzierung des CO2-Ausstoßes erreichen könnte. Am Ende des Projekttages stand nicht nur ein Zuwachs an Wissen über die Institutionen der EU, sondern auch ein gemeinsam erarbeiteter Gesetzesvorschlag zum Thema „Energiepolitik“.

Zunächst lernten die Schülerinnen und Schüler die Aufgaben und Handlungsmöglichkeiten der wichtigsten Institutionen der EU kennen. Anschließend schlüpften sie in verschiedene Rollen, sie wurden EU-Kommissare, Mitglieder des Rates oder EU-Parlamentarier, mussten sich als Vertreter der Energiebranche einarbeiten oder als Journalisten Informationen zusammenstellen. Die Anlage des Planspiels gab jedem / jeder ein Rollenprofil vor. Dies bestand aus der Vorgabe der Ausgangssituation, Angaben zu Zielen und einigen Hinweisen zu erwarteten Handlungsweisen. Aufgabe war es nun, zunächst getrennt in den Gremien über einen „Richtlinien-Entwurf zur Förderung der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energiequellen im Elektrizitätsbinnenmarkt“ zu beraten. So schwierig und langwierig wie der Namen erwies sich der Beratungsprozess. Die Vorstellungen der Parlamentarier aus den verschiedenen Mitgliedsländern, gebündelt in Fraktionen, gingen schon weit auseinander, denn hier trafen ja Grüne auf Liberale, Sozialisten auf Konservative. Fast noch komplexer gestaltete sich der Meinungsfindungsprozess im Rat, denn schier unüberwindliche Länderinteressen sollten unter einen Hut gebracht werden: Polen z. B. erzeugt – diese ist eine Tatsache – 90% seiner Elektrizität aus Kohle und kann kaum in wenigen Jahren 30% des Stroms aus erneuerbaren Energien beziehen. Oder doch? Aufgabe der „Experten“ im Spiel war es, Möglichkeiten aufzuzeigen und für ihre eigene Sache zu werben, ganz wie es die Lobbyisten in Wirklichkeit tun. Alle zusammen mussten überlegen, wie man solche Länder bei der Erreichung der Ziele unterstützen kann.

Ein konzentriertes, auch zeitökonomisches Vorgehen prägte die Verhandlungen. Die Schüler schlüpften im Laufe der Verhandlungen immer intensiver in ihre Rollen, so dass durchaus energische Führungsarbeit wurde vom „Präsidenten des EU-Parlaments“ und dem „Ratsvorsitzenden“ geleistet wurde. Auch die „Presse“ begleitete und kommentierte das Geschehen. So näherten sich die Positionen langsam an. Am Schluss stand ein gemeinsames Kompromisspapier, das sich hinter dem der „Großen“, das nur wenige Tage später verabschiedet wurde, nicht zu verstecken braucht.

Gabriele Wollmann