Pimp your Mind

Aufführung der Schulspielgruppe II des Gymnasiums Marktbreit

Der Vorhang öffnet sich und zu den rhythmischen Melodien der Band „Suitapple“ stelzen Models über die Bühne, die wie ein Catwalk mitten ins Publikum führt. Die lobenden und tadelnden Kommentare des Laufcoachs Bruce - Daniel Augustin gibt hier eine gelungene Parodie des Laufcoachs der Fernsehsendung „Germany’s next top model“ - geben der Szene zusätzlich Tempo und Dynamik. Gespielt wird Nestroys „Talisman“, vom Grundkurs Dramatisches Gestalten und der Schulspielgruppe II des Gymnasiums Marktbreit in eine moderne Version verwandelt.

Unter der Leitung von Dr. Roland Kofer haben die jungen Schauspieler es sich zur Aufgabe gemacht, die Handlung sowie die Aussage des Klassikers von Nestroy in die moderne Lebenswelt zu übertragen. Und so ist nicht die Perücke, sondern das Outfit der Talisman des jungen Helden Mike Firefox (Thomas Klement), mit dessen Hilfe er in die obersten Etagen der Modewelt aufsteigt.

Unkonventionell nach seinem eigenen Stil gekleidet scheitert er zunächst im Modeimperium seines Onkels Nigel Fox (Benjamin Kleinschnitz) und bewirbt sich bei der Konkurrenz, dem Unternehmen von Meredith van Cypress. Eigentlich hat er ein hehres Ziel, er möchte einen Modestil kreieren, der die Individualität der Menschen betont. Und er hat auch eine Mitstreiterin an seiner Seite, die ehrliche und natürliche Jessica (Lisa Pamperien), gehänselte und missachtete Hilfskraft im Modeimperium van Cypress. Beiden jungen Schauspielern gelingt es gut, die Gegenwelt der aalglatten und korrupten Modewelt darzustellen. Die Band mit ihrer Sängerin Alexandra Goeß unterlegt ihre Liebesgeschichte mit sanften Tönen.

Doch dann beginnt der Aufstieg Mikes im Modebusiness, der Gegenwelt des Liebespaares. Die Mitwirkenden der Schulspielgruppe bringen diese glamouröse, affektierte und knallharte Welt überzeugend auf die Bühne. Models, die nie gut genug den Catwalk entlang laufen und nie dünn genug sind, rahmen mit ihrer von passender Musik unterlegten Laufshow die einzelnen Etappen des Aufstiegs von Mike ein. Auf seinem Weg an die Spitze des Modeimperiums begegnet er Florence, der Schneiderin. Sie wird von Karin Dolezol gespielt, der es sehr gut gelingt, die Arroganz der Modemacher, aber auch den Druck, der auf ihnen lastet, darzustellen. Und da ist Giselle, die erste Assistentin von Meredith van Cypress, überzeugend dargestellt von Bianca Ritter. Auch sie ist dem Druck, der von der Modemogulin ausgeht, kaum gewachsen: Nervös, affektiert, überlastet und zugleich gänzlich oberflächlich versucht sie in der Welt der Mode ihren Platz zu behaupten. Außerdem gibt es den Designer Charles, hier parodiert Jan-Philipp Müller gekonnt das Klischee des Topdesigners: schwul, übersensibel und krankhaft selbstbewusst. Und über allen thront die Chefin des Modeimperiums, glänzend gespielt von Laura Kolla, der die Drehbuchschreiber Charakterzüge der Chefredakteurin Miranda Priestly aus dem Kinofilm „Der Teufel trägt Prada“ gegeben haben. Eiskalt und berechnend beherrscht sie ihr Imperium, ihr dümmliches und faules Töchterchen Emma (Sina Richter) immer an ihrer Seite.

Durch den Aufstieg von Mike Firefox wird diese schnelllebige und knallharte Modewelt gründlich entlarvt: Mike steigt auf, ohne etwas von den Regeln dieser Welt zu begreifen. Er steigt auf, weil er den richtigen Anzug trägt, weil er schmeichelt, weil sich jeder in diesem Betrieb sowieso nur für sich selbst interessiert. Es ist das alte Märchenmotiv in aktualisierter Version: Niemand kann, will oder darf sehen, dass der Kaiser keine Kleider anhat.

Insgesamt gelingt es den Mitwirkenden auf und hinter der Bühne unter der Leitung ihres Regisseurs Dr. Roland Kofer sehr gut, ihre Botschaft zu transportieren. Durch das gekonnte Kombinieren von Schauspiel, Musik und Tanz wird das schillernde und gleichzeitig knallharte Modebuisines auf unterhaltsame Weise dargestellt. Aber die Darstellung weist doch zugleich über die reine Unterhaltung hinaus, indem sie Kritik an der gegenwärtigen Gesellschaft übt, die ähnliche Züge trägt, da hier der Einzelne immer weniger nach seinem Charakter und seinen Talenten und immer mehr nach seinem Aussehen und Auftreten beurteilt wird.

Katja Schulte-Bockholt

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