Ocean Blue

Hinter den Kulissen, in diesem Falle in den Umkleiden der Turnhalle, ist nervöses Gelächter und aufgeregtes Getuschel zu hören. Jeder kontrolliert seine Utensilien, überprüft ob alles bereit liegt und wirklich nichts vergessen wurde. Schließlich sind die 80 Zirkuskinder für die nächsten drei Stunden für sich selbst verantwortlich und müssen dafür sorgen, dass die ausverkaufte Vorstellung ein Erfolg wird.

Die 14. Premiere des Zirkus Gymnelli steht an und wie in jedem Jahr gelang es der Zirkusdirektorin Barbara Clobes auch heuer wieder das Programm zu perfektionieren. Jedes Jahr glaubt der Zuschauer, dass es keine Steigerung mehr gebe, doch jedes Jahr wird er wieder überrascht, so auch bei der diesjährigen Premiere. „Ocean Blue“ entführt die erwartungsvollen Zuschauer in eine Zauberwelt unter Wasser, in der Jongleure die Bälle, die Ringe und die Keulen in allen Variationen durch die Luft schleuderten, Delphine sprangen auf dem Trampolin und wirbelten in waghalsigen Sprüngen über Kästen. Schattenspiele wechselten mit Kugelläufern und Einrädern, die vorwärts, rückwärts und im Kreis fuhren, wobei die Hocheinräder ein nochmalige Steigerung darstellten.

Alle artistischen Leistungen und Kunststücke, die der Zirkus hergibt wurden geboten. Die Choreographie und die passend ausgewählte Musik verstärkten den optischen Eindruck, den die Artisten in den farbenprächtigen, passenden Kostümen boten. Klassische Zirkuselemente, wie Jonglage, Schwebebalken oder Trapez wechselten mit neueren Elementen, wie Schwarzlicht, Snakeboard oder Rhythmik mit dem Basketball. Die Seilspringer erinnerten mit ihrer Kleidung und ihren Bewegungen an den irischen Stepptanz, während die Mädchentanzgruppe Sinnlichkeit ausstrahlte und die Adagio-Akrobatik Kraft.

Ein gewisser Angstschauer überkommt den Zuschauer immer bei der Feuernummer: Jonglage mit Feuerkeulen, Feuerswinning und wirbelnde Feuerstäbe boten ein Schauspiel für die Augen.

Der Atem stockte den meisten Zuschauern bei den gewagten Darbietungen am Trapez, sei es das das Vierertrapez, das Sechsertrapez, effektvoll durch die schwarz-weißen Ringelstrümpfe der Artistinnen oder die atemberaubende Kombination Tuch mit Trapez, die alles Können der beiden Akrobatinnen forderte. Zu den Höhepunkten des Abends gehörte die Tuchakrobatik, die eine ungeheure Kraftanstellung für die Künstler bedeutete. Faszination strahlte die Darbietung am Aerial-Ring aus, der die Artistin bei ihren Übungen durch den Raum schweben ließ. Großes Können zeigten auch die durch die Luft fliegenden Bodenakrobaten. Da gab es kaum einen, der Saltos, Schrauben oder Flic-Flacs nicht perfekt beherrschte.

Gekonnt und abwechslungsreich wurden die Umbauphasen, bei denen die „schwarzen Helfer“ gefragt sind, überbrückt: mit der Schnecke, einer Cheerleadergruppe oder der auf der Leiter trommelnden Putzfrau, so dass der Ozean an diesem Abend wirklich Überraschungen für die Zuschauer bereit hatte.

Auffallend an diesem Abend war, dass einige ältere Zirkuskinder ganz hervorragende, perfekte und stellenweise professionelle Leistungen auf ganz unterschiedlichen Gebieten zeigten. Doch erstaunlich ist, welches Können auch die 28 Anfänger, die erst seit einigen Monaten üben, zeigen und wie sie überall bei den Darbietungen mit einbezogen sind, was den Reiz des Schulzirkus ausmacht.

Den Abschluss der gelungenen Vorstellung bildeten wie immer die unterschiedlichsten Pyramiden, bei denen alle 80 Zirkuskinder mitmachten, die für ihre Mühe und ihr gezeigtes Können mit viel Applaus belohnt wurden.

Meine Meinung: Der Schulzirkus in Marktbreit hat sich inzwischen zum Schulprofil etabliert. Es gibt Eltern, die sich bewusst für dieses Gymnasium entscheiden, da hier diese Zirkusgruppe angeboten wird. Nicht nur sportlicher Ehrgeiz, Geschicklichkeit und Können ist gefragt, sondern soziale Kompetenz, Kreativität, Selbständigkeit und Eigenverantwortung, ebenso der Wille sein Können an Jüngere weiter zu geben. Aber genauso wichtig ist es sich gegenseitig zu helfen, zu disziplinieren, sich aufeinander verlassen können oder sich aufzumuntern und zu trösten, wenn etwas nicht geklappt hat. Das sind alles Eigenschaften, die im „wirklichen“ Leben gefragt sind und eine entscheidende Rolle spielen. Sicher fordert der Zirkusunterricht die Kinder heraus, die besonders in Zeiten des G 8 durch den Nachmittagsunterricht bereits gefordert sind, doch die Vorstellung hat wieder gezeigt, dass die Kinder Freude an Leistung und Können zeigen.

Uschi Merten (Main-Post)

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