Märchen sind Bilder der Seele

Die Klasse 5c machte sich gegen Ostern auf den Weg, ein eigenes Märchenbuch herauszugeben. Im Deutschunterricht war das neben anderen Projekten, wie z. B. das Insellexikon zur Lektüre „Insel der blauen Delphine“, Kreuzworträtsel zu grammatikalischen Begriffen oder Präsentationen vor der Klasse, ein großes Unterfangen. E-Mails, Disketten und CD-ROMs gingen hin und her, Bilder zum eigenen Märchen gezeichnet, die Titelseite entworfen und das Ganze kopiert, gelegt, gefalzt und geklammert.

Der Hauptzweck aber war es, dass die Schülerinnen und Schüler der Klasse 5c kreativ schreiben, ihre eigene Phantasie formulieren und ausleben. Denn diese Prosaerzählungen von wunderbaren Begebenheiten ohne räumliche oder zeitliche Festlegung, vom Eingreifen übernatürlicher Gewalten in das Alltagsleben und von redenden Tieren oder Pflanzen sind ein Zeugnis kindlicher Fabulierlust. So können Kinder nach Herzenslust hierbei völlig neue Welten erschließen, Tagträumen gleich in neue Welten eintauchen und dabei vielleicht einen Teil des vollgepackten Alltags vergessen. So identifizieren sich die Schülerinnen und Schüler mit ihren Helden, durchleiden mit ihnen alle Mühen und Wirren und triumphieren mit ihnen, wenn endlich ihre tugendhaften Anstrengungen belohnt werden.

Als Deutschlehrer habe ich kaum etwas geändert, denn es sollten die Märchen der Kinder bleiben, wohl mit manchen Schwächen, aber vor allem mit den unermesslichen Vorteilen des eigenen Engagements und der selbstständigen Arbeit.

Stephan Clobes