Jugendkreistag 2007 – Delegation der 10d vertritt unsere Schule

„Schuluniform – ja oder nein?“ Kaum ein Thema scheint so ausgelutscht zu sein wie dieses. In schöner Regelmäßigkeit erobert die Frage nach der richtigen und angemessenen Kleidung in der Schule die Medien und löst dabei große Kontroversen aus, ohne je durch schlagende Argumente oder langfristig tragfähige Kompromisse beendet zu werden, dreht es sich doch immer um dieselben, unversöhnlichen Argumente. Es gibt zudem kaum einen Schüler der Mittelstufe, der die Vor- und Nachteile einer Schuluniform noch nicht in einem Hausaufsatz oder in einer Schulaufgabe erörtern musste. Dennoch entwickelte sich um dieses Thema auf dem diesjährigen Jugendkreistag im Landkreis Kitzingen eine lebhafte Diskussion.

Grundlage dafür waren die Beiträge mehrerer Schulen, darunter auch eine Präsentation von sieben Schülerinnen aus der 10d, die unsere Schule vertraten: Mirjam Dienesch, Julia Gernet, Magdalena Hetterich, Andrea Morgenstern, Nina Roth, Pia Tremmel und Saskia Unser. Sie hatten sich im Vorfeld vor allem Gedanken gemacht, wie man in der vorgegebenen Zeit (ca. 5-7 Minuten) einen interessanten und aussagekräftigen Beitrag erstellen könnte. Gute Argumente gehören natürlich dazu – aber das reicht allein nicht, um die Aufmerksamkeit von über 100 Personen zu gewinnen. Die Zehntklässlerinnen beschränkten sich auf die Bearbeitung der zentralen Argumente gegen die Schuluniform und entschieden sich für eine PowerPoint-Präsentation, die an einigen Stellen gezielt provozieren sollte. Diese Rechnung ging auf. Beim Bild japanischer Mädchen in ihrer vorgeschriebenen Schulkleidung mit der Überschrift „Zwillinge? Klone? Individuen?“ ging ein deutliches Raunen durch die Zuhörermenge, ein zweites Mal war dies der Fall, als eine Folie Jugendliche in HJ- und Wehrmachtsuniformen gezeigt wurde. Die sorgfältige Ausarbeitung weniger, aber wichtiger Argumente erwies sich als günstig im Vergleich zum bloßen Nennen einer Vielzahl von Gründen. Mit großer Konzentration und perfektem Timing trugen die Schülerinnen ihre Argumente vor.

Insgesamt neun Schulen aus dem Landkreis Kitzingen hatten Beiträge geliefert; es waren mehrere gute Präsentationen darunter. Eine Besonderheit aber war der Vortrag der Schülerinnen und Schüler aus der Richard-Rother-Realschule in Kitzingen. Dort gibt es nämlich seit diesem Schuljahr eine einheitliche Schulkleidung, die zwar freiwillig ist, aber auf breite Zustimmung stößt. Viele Schüler und zahlreiche Lehrer tragen die über den Schulshop angebotenen Oberteile in verschiedene Formen und Farben, die jeweils mit dem Schullogo verziert sind. Der Vortrag der Richard-Rother-Realschule konnte also die Fragestellung von einer ganz anderen Warte aus beleuchten und zeigte einen möglichen Kompromiss auf, der auch in der Schlussabstimmung zum Tragen kam. Zuvor aber mussten die teilnehmenden Gruppen, auch die Schülerinnen aus der 10d, mit kritischen Nachfragen zu ihren Beiträgen umgehen und ihre Aussagen und Forderungen verteidigen. Auch dies ist vor so vielen Zuhörern eine Herausforderung.

Es gab schließlich zwei Anträge: Zunächst wurde der Beschlussvorschlag „Der Jugendkreistag befürwortet die Einführung einer Schuluniform an den teilnehmenden Schulen im Landkreis Kitzingen“ abgelehnt. Dies war aufgrund des Verlaufs der Diskussion im Sitzungssaal schon überraschend. Aber auch der zweite Antrag: „Der Jugendkreistag befürwortet die Einführung einer einheitlichen Schulkleidung an den teilnehmenden Schulen im Landkreis Kitzingen“ scheiterte, obwohl das positive Vorbild der Richard-Rother-Realschule bei vielen Zuhörern zunächst durchaus Eindruck gemacht hatte.

Im zweiten Teil der Veranstaltung wurde das Thema „Unser Weg zum Dialog der Kulturen“ erörtert. Hier wurden Ideen zur besseren Integration von Ausländern vorgetragen und diskutiert. Fünf Schulen hatten Positionspapiere entwickelt und zum Teil konkrete Vorschläge für Aktionen ausgearbeitet. Der Jugendkreistag beschloss, die Einführung eines „Integrationstages“ im Landkreis Kitzingen, an dem sich auch die Schulen mit Aktionen zum besseren Verständnis der Kulturen untereinander beteiligen sollen, vorzuschlagen. Außerdem wird der zu dieser Problematik bereits existierende „Runde Tisch“ im Landkreis Kitzingen von den verantwortlichen Schülerinnen und Schülern über ihre Projektideen informiert, so dass der Jugendkreistag über die Sitzung hinaus direkt auf politisches Handeln Einfluss nimmt. Im nächsten Jahr wird man im Rückblick bewerten können, was aus den Ideen geworden ist.

Was konnte man lernen als Teilnehmer des Jugendkreistages? Einiges: Politik kann ein mühsames Geschäft sein, weil Regeln eingehalten werden müssen und viele Meinungen schwer zu vereinen sind. Groß ist hier die Verantwortung der Sitzungsleitung, die moderieren und vorantreiben muss, ohne allzu stark lenkend einzugreifen. Und: In der politischen Diskussion kommt es auf Überzeugungskraft und Geschick an. Nur ein guter Vortrag sichert Aufmerksamkeit – die richtigen Argumente allein tun dies nicht! Klare Artikulation und eine gute Abstimmung zwischen Vortrag und Visualisierung gehören genauso dazu wie ein logischer Aufbau und überzeugende Beispiele.

Gabriele Wollmann