Aufführung der Schuspielgruppe I am Gymnasium Marktbreit

„Hilfe, die Herdmanns kommen“, so hieß das Theaterstück nach dem bekannten gleichnamigen Roman von Barbara Robinson, das die Schulspielgruppe I des Gymnasiums Marktbreit unter der Leitung von Katja Schulte-Bockholt kurz vor Weihnachten aufführte. Und es gelang den 25 jungen Schauspieler, ihr Publikum mit dieser weihnachtlichen Komödie einerseits zum Lachen zu bringen und andererseits auch nachdenklich zu machen.

Der Schauplatz des Stücks ist ein kleinbürgerlich-bigottes amerikanisches Kleinstadtszenario kurz vor Weihnachten. Wie jedes Jahr soll von den Kindern der Stadt ein Kripenspiel inszeniert werden, das normalerweise wie ein vertrauter, aber schon etwas langweiliger Film abgespult wird. Josef und Maria, andächtig und entrückt über dem kleinen Jesuskind, die Hirten in den Bademänteln ihrer Väter, die Engel in Bettlaken, ein paar Weihnachtslieder: Jeder weiß, was ihn erwartet. Aber dieses Jahr ist alles anders, da alle Hauptrollen des Krippenspiels durch ein Missgeschick an die Kinder der Familie Herdmann vergeben worden sind. Und die Herdmanns sind stadtbekannt. Man bezeichnet sie als asozial, sie stehlen, sie benutzen Schimpfwörter. Keines von den sechs Geschwistern benimmt sich, wie es sich gehört, und sie haben keine Ahnung von der Weihnachtsgeschichte.

In diesem Spannungsfeld bewegen sich die komischen und die aufrüttelnden Elemente des Stücks. Die jungen Schauspieler beherrschten ihre Rollen gut, so dass beide Aspekte zum Tragen kamen: Sechs Darsteller spielten gekonnt die harten, abgebrühten Herdmann-Kinder, die die ganzen Proben durcheinanderbrachten, weil sie z. B. wollten, dass Herodes in dem Stück mitspielt und dass er mit einer Maschinenpistole umgebracht wird. Sie heben die Krippenspielproben aus den Angeln, verstören die Spielleiterin und die Kinder und sagen dabei doch viel Wahres, wenn auch auf ihre rauhe Weise. Und es gab die „guten Kinder“, die in ihren unterschiedlichen Charakteren von den restlichen Darstellerinnen und Darstellern gespielt wurden und im Krippenspiel die die Hirten und die Engel waren. Und sie bildeten die Kulisse und zugleich den Spiegel der Herdmanns: Mal kichernd, mal entrüstet begleiteten sie die Eskapaden der Herdmanns, kommentierten deren derbe Abänderung des Weihnachtsstücks nach Manier der ihnen anerzogenen Vorstellungen dessen, was sich gehört.

Am Schluss nähern sich beide Gruppen mit Hilfe der gestressten, aber gutwilligen Leiterin des Krippenspiels einander an, und auch diese schwer umzusetzende Passage gelang den Schauspielern: Nach den chaotischen Proben zum Stück folgt die Aufführung in der Kirche am Heiligen Abend: Abgedunkeltes Licht, Kerzen, Weihnachtslieder, alle warten gespannt und ein wenig sensationslustig auf den Auftritt der Herdmanns. Doch Eugenia Herdmann, die die Maria spielt, lässt sich auf ihre Art auf die Rolle ein, auch Ralph Herdmann schlüpft in die Rolle des Josefs. Die drei heiligen Könige treten verstohlen und etwas gerührt auf. Sie haben statt der üblichen Geschenke etwas zu essen mitgebracht, aus dem Weihnachtskorb der Fürsorge. Und der Engel des Herrn, gespielt von der wilden Hedwig Herdmann, rennt augeregt schreiend, die Hirten vor sich herstoßend auf die Bühne. „Heh, euch ist ein Kind geboren“, brüllt er freudig. „Er heißt Jesus, seht ihn Euch an!“ Alle bemerken in diesem Moment, dass die Herdmanns genau die richtigen sind, um das Weihnachtssück zu spielen. Wenn der ganze romantische Firlefanz der Weihnachtsgeschichte weggelassen wird, so bleibt doch letztlich folgendes übrig: Zwei Menschen waren in Not, niemand hat sich drum geschert. Sie mussten um ihr Leben bangen und hatten nicht mal das Nötigste für ihr neugeborenes Kind. Und es sind immer die Herdmanns dieser Welt, denen so etwas passiert.

Dass den jungen Schauspielern gelungen ist, dies auszudrücken, bewies der lang anhaltende Applaus der über 200 Zuschauer des Stücks.

Katja Schulte-Bockholt

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