Intensivierungstunde im Malerwinkelhaus

Latein, die Sprache der alten Römer, die vor 2000 Jahren ein großes Reich beherrschten – bis zum Rhein. Nach der Niederlage im Teutoburger Wald gaben die Herrscher der damaligen Welt ihre Besitzansprüche auf rechtsrheinische Gebiete auf. Ihre Sprache jedoch machte nicht Halt am Rhein, sie wird noch heute gepflegt an den deutschen Gymnasien, so auch am Gymnasium Marktbreit. Aber wissen die Marktbreiter Lateinschüler auch, dass sich die Stadt Marktbreit römischer Vergangenheit rühmen kann? Es ist immerhin schon 20 Jahre her, als das bayerische Landesamt für Denkmalpflege (Würzburg) auf dem Kapellenberg ein römisches Doppellegionslager ausgrub und damit den Beweis erbrachte, dass dort in den Jahren zwischen 5 vor und 9 nach Christus römische Legionäre stationiert waren.

In einer der im G8 neu eingeführten Intensivierungsstunden werden die jungen Lateinschüler der 6. und 7. Jahrgangsstufen an das Römerlager in Marktbreit erinnert. Im Museum Malerwinkelhaus erwartet Frau Dr. Margarete Klein-Pfeuffer, Initiatorin und Leiterin der Dauerausstellung Römer in Marktbreit, die kleinen Schülergruppen des Gymnasiums; für den Intensivierungsunterricht ist nämlich die Klassenstärke halbiert.

In kürzester Zeit versetzt sie die Schüler zurück in die Zeit, als auf dem Kapellenberg sich lateinisch sprechende Soldaten tummelten. Bis zu 12000 Legionären bot das Lager Platz. Anhand eines topographischen Modells kann man die Ausmaße des Lagers und seine strategisch günstige Lage oberhalb des Maindreiecks ersehen.

Wie ernährten sich die Legionäre? Wie waren sie bewaffnet? Wie waren sie bekleidet in dieser oft recht kalten Gegend? Antworten auf alle Fragen ergeben sich aus den lebendigen Gesprächen mit Frau Dr. Klein-Pfeuffer und aus ihren Erläuterungen bei der Betrachtung von originalgetreuen Demonstrationsgegenständen und der Ausstellungs- und Fundstücke.

Schließlich beteiligen sich die Schüler aktiv am Lagerleben, probieren den Legionärshelm, mahlen Getreide, wie es die gewöhnlichen Soldaten taten, und sie treten mit Hilfe eines Computerprogramms virtuell in das Römerlager ein.

Kurz: eine Lateinintensivierungsstunde anderer Art – intensives Erleben römischen Soldatendaseins!

Josef Nusko