Theaterprojekt

Wie auch in den letzten zwei Jahren trafen sich in diesem Schuljahr wieder Schüler des Gymnasiums Marktbreit mit Schülern des Gymnasiums in der tschechischen Stadt Zábřeh, um sich gegenseitig kennen zu lernen und um gemeinsam etwas zu unternehmen. Während im vorletzten Jahr die Zirkusgruppe des Gymnasiums Marktbreit unter der Leitung von Barbara Clobes nach Tschechien reiste, um eine tschechisch-deutsche Zirkusvorstellung einzustudieren und aufzuführen, stand das diesjährige Treffen unter dem Motto des Theaters.

Die Schülerinnen und Schüler des befreundeten Gymnasiums in Zábřeh hatten unter der Leitung ihrer Lehrerinnen Ilona Kadlecová und Ivana Kezniklová das Stück „Das goldene Spinnrad“ ausgewählt und ins Deutsche übersetzt. In den vergangenen Monaten hatten sowohl die tschechischen Schülerinnen und Schüler als auch Schüler des Gymnasiums Marktbreit unter der Leitung von Doris Jenetzky ihre Rollen einstudiert. Der Schulchor hatte mit dem Musiklehrer Herbert Ullmann die Lieder des Stücks geübt, so dass das Ganze in einer Woche zusammengeführt und zur Aufführung gebracht werden konnte.

So kamen am Sonntag Abend, den 13.03.05, acht tschechische Schülerinnen und Schüler mitsamt ihrer Lehrerinnen Ilona Kadlecová und Ivana Kezniklová nach einer neunstündigen Busreise in Marktbreit an. Und gleich am Montag darauf begannen die gemeinsamen Proben. Mit viel Spaß und Engagement knieten sie die tschechischen und die deutschen Schüler in ihre Rollen. Es wurde viel gelacht bei den Proben, die Sprachen, in denen man sich verständigte, waren Deutsch, Englisch und Französisch. Gerade durch die intensive Probenarbeit, das gemeinsam durchlittene Lampenfieber und die Freude nach der geglückten Aufführung kamen sich deutsche und tschechische Schüler sehr schnell näher.

Und in der Tat wurde das Theaterstück ein voller Erfolg. Gemeinsam mit einem Stück der Schulspielgruppe I des Gymnasiums wurde es am Donnerstag, den 16.03.05 zur Aufführung gebracht. Beide Stücke harmonierten gut miteinander, da es sich jeweils um witzige und moderne Märchenpersiflagen handelte. Den Anfang machte die Schulspielgruppe I unter der Leitung von Katja Schulte-Bockholt. Sie führte das Stück „Kein Apfel für Schneewittchen“ von Werner Schulte auf. Die jungen Schauspieler überzeugten alle in ihren Rollen. Das Stück handelte von zwei Kindern, die durch eine Zauberei in das Märchen „Schneewittchen“ gerieten (Evelyn Kleine, Florian Frank), und versuchten die junge Prinzessin durch Austauschen des Apfels zu retten. Aber sowohl Schneewittchen (Janina Dauer) als auch der Prinz (Eduard Müller), die böse Stiefmutter (Sina Knaur) sowie alle sieben Zwerge (Felix Burckhardt, Alexander Frank, Marion Mündlein, Christian Pfeuffer, John Popp, Maiken Tappe, Lydia Wengel) hatten etwas dagegen und wehrten sich standhaft gegen jegliche Einmischung. Das sorgte für viel Verwirrung und für viel Gelächter beim Publikum.

Anschließend wurde dann das tschechisch-deutsche Stück „Das goldene Spinnrad“ von Karel-Jaromir Erben unter der Regie von lona Kadlecová und Ivana Kezniklová (tschechische Gruppe) sowie Doris Jenetzky (deutsche Gruppe) dargeboten. Auch in diesem Stück tauchten Grundmotive eines Märchens auf, wurden aber stark verfremdet. Es gab einen König (Frank Kindermann), und natürlich suchte er eine Frau. Es gab zwei Schwestern, selbstverständlich war eine böse ( Linn Wotka) und eine gut (Jana Dvořáková). Beide warben sie um den jungen Mann. Und dann war da noch die unvermeidliche böse Stiefmutter (Adela Klimešová), die zusammen mit ihrer leiblichen Tochter die Stieftochter tötet und ihre Tochter so zur Königin machte. Ein alter Einsiedler (Karin Dolezol) konnte das Mädchen jedoch glücklicherweise mit der Hilfe eines Knäbleins (Monika Manethová) wieder zum Leben erwecken, das goldene Spinnrad brachte die Wahrheit ans Licht, denn eine Gruppe von Geiern (Lukaš Krasula, Janina Dauer, Terezie Odstrcilová, Johannes Holubar, Zuzanna Černá, Jitka Pallová) kreisen um die falsche Braut und sangen von ihren Untaten. Aber das Märchen endete nicht, wie man es erwartete: Unter Lachsalven des Publikums entschied sich der König für die böse Tochter und machte die gute zu seiner Haushälterin. Diese teilweise stark verfremdete Märchenparodie wurde in deutscher Sprache gespielt, die Lieder wurden, teils in beeindruckenden Soloeinlagen, teils mit der Unterstützung des Schulchors unter der Leitung von Herbert Ullmann, auf Tschechisch gesungen.

So waren es ganz andere Töne, die die Zuschauer dieses Theaterabends zu hören bekamen. Deutsche Schüler sangen tschechisch, tschechische Schüler spielten Deutsch. Das größte Kompliment, das die Gruppe nachher vom Schulleiter Heinrich Voit erhielt, war wohl, dass man hin und wieder nicht mehr wirklich unterscheiden konnte, welches die tschechischen und welches die deutschen Schüler waren. Stimmt dies, so ist dieses Projekt in jedem Falle ein voller Erfolg gewesen, denn das Ziel dieser Veranstaltung war es ja gewesen, Schüler aus Tschechien und Deutschland einander näher zu bringen. Dass dies gelungen ist, zeigt auch der Abschied am Samstag, den 18.03.05: Adressen wurden ausgetauscht, erneute Besuche verabredet, und als der Bus schließlich abfuhr, flossen sogar einige Tränen.

Katja Schulte-Bockholt

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